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Sofern Haien nicht übersinnliche Fähigkeiten angedichtet werden, wie einen Heli mit beherztem Sprung vom Himmel zu fischen oder einfach nur Würstchen am Touristenstrand zu verkaufen, ist es schwer, ihnen oder einer Kulisse neue Facetten abzuringen. Das gelingt auch dem britischen Regisseur James Nunn („The Marine 6 – Das Todesgeschwader“) nicht, weil es schlicht an kreativen Impulsen mangelt.

Springbreak in Mexiko: Die letzten Semesterferien der Ami-Studenten um Natalie und es wird durchgezecht. Am nächsten Morgen entdeckt die Gruppe zwei Jetskis und entwendet diese unerlaubterweise. In ihrer Tollkühnheit kommt es zur Kollision und einem offenen Schienbeinbruch, während ein Fahrzeug untergeht und das andere nicht mehr anspringt. Zu allem Überfluss kreist ein Hai in unmittelbarer Nähe…

Die nächste Variante, die mehrheitlich auf der Prämisse von „Open Water“ beruht, indem Menschen ohne sonderliche Hilfsmittel im offenen Meer treiben. Obgleich der Adrenalinpegel der Überlebenskämpfer nach dem Malheur mit den Jetskis rasch nach oben schnellen dürfte, ist bei mindestens einem Individuum noch genügend Restalkohol im Spiel: Vor geraumer Zeit war mal ein Segelboot zu sehen, also einfach mal drauf los schwimmen ohne festes Ziel vor Augen. Die Strömung ist bei alledem zu vernachlässigen.

Überhaupt ist es um die Figurenzeichnungen schlecht bestellt: Nat ist die moralisch gefestigte und hat nach allen Regeln des Genres noch ganz passable Überlebenschancen, doch ihr Ex und die angeblich beste Freundin aufgrund eines sexuellen Zwischenspiels wohl eher weniger. Die beiden anderen fallen noch weniger auf und somit ist die Reihenfolge des Fischfutters früh erahnbar.

Entsprechend treibt man auf einem paranussförmigen Untergrund und weil es nicht viel zu sagen gibt, erwähnt man das offensichtliche: „Ich will nicht im Dunkeln hier draußen sein!“.
Und während kollektive Dehydrierung droht, zunehmend die Orientierung verloren geht und auch ein Hai mal Heia machen muss, werden ebenso viele Drohnenaufnahmen wie Unterwasserimpressionen in Nähe des Jetskis eingebunden. Zwar werden die Laufzeitstrecker regelmäßig von kleinen Attacken unterbrochen und eine Handvoll Erschreckmomente kommen dabei sogar herum, doch ein aufrichtiges Mitfiebern will sich nie so recht einstellen.

Dabei hat man sich, bis auf eine im Wasser treibende, leicht angeknabberte Leiche bei den Effekten ordentlich Mühe gegeben, so dass neben vielen rötlichen Wasserverfärbungen auch einige tiefe Fleischwunden und abgebissene Körperteile vorzufinden sind. Zudem arbeitet der Schnitt bei den wenigen Actionszenen solide und auch der Score fällt mindestens zweckdienlich aus. Darstellerisch ist indes nicht viel auszurichten, - die wenigen Mimen performen immer dann am besten, wenn sie sich gerade im vermeintlichen Todeskampf befinden.

Dennoch will der Funke nicht so recht überspringen, was primär an den lahmen Figuren und sekundär an der austauschbaren Kulisse nebst Requisiten liegt. Zwar ist der Hai zweckdienlich getrickst und agiert in den meisten Szenen glaubhaft, doch das Gesamte bleibt zu austauschbar und zu selten spannungsgeladen. Und wer nach dem eigentlichen Showdown noch einige unnötige, weil inhaltsleere Minuten anhaftet, dem sind nach dem erlahmten Jetski die sprichwörtlich zündenden Ideen ausgegangen.
4,5 von 10

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