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Ein Mordfall, die Ehefrau des Opfers als Tatverdächtige, der Kommissar, der sich in sie verliebt und die damit einhergehende ständige Ambivalenz – die Geschichte von Park Chan-wooks romantischem Mysterythriller wurde inspiriert von einer Romanreihe der schwedischen Krimiautoren Sjöwall und Wahlöö, hätte so oder ähnlich aber auch Inhalt eines der zahlreichen Erotikthriller der 90er können. Oder die eines Hitchcock-Films aus den 60ern. Oder eines Noir-Thrillers aus den 40ern.

Doch die Geschichte ist nicht das entscheidende an DECISION TO LEAVE. Es ist die Art, wie der Regisseur sie erzählt. Wie er Räume und Figuren inszeniert und Figuren in Räume setzt, die dort gar nicht sind, beispielsweise wenn sich der Kommissar so in seine Beschattung vertieft, dass er auf einmal direkt neben dem Objekt seiner Beobachtung steht. Wie er durch einfache Gesten wie das gemeinsame Abwischen eines Tisches oder das Eincremen einer Hand eine Atmosphäre von Intimität und Verlangen erzeugt, ohne in gängige vermeintlich erotische Klischeebilder zu verfallen. Wie er Bilder und Szenen wie in einem Traum ineinander übergehen lässt und so ein filmisches Gewebe erschafft, in dem man sich ähnlich verliert wie sein Protagonist.

Hier gibt es keine visuellen Provokationen, explizite Gewaltausbrüche oder monströse Twists, DECISION TO LEAVE ist Park Chan-wooks reifster Film bislang und es ist auch sein ruhigster Film. Anfangs fällt dies kaum ins Gewicht, da die eigentlich todernste Mordgeschichte von einem schönen sanften Humor durchzogen wird, doch im letzten Drittel überwiegt das Drama und der Film fällt – bis zum tragischen Finale – etwas ab.

An der eindrucksvollen Gesamtwirkung des Films ändert dies jedoch nichts. Traumhaft!

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