Ein 300 km/h schneller Zug, der durch Japan rast und an jeder Station nur 60 Sekunden hält, an Bord eine Handvoll Auftragskiller mit zunächst unklarem Auftrag und mittendrin Brad Pitts Pechvogel „Ladybug“ der hier eigentlich nur einen Vertretungsjob erledigen und einen ominösen Koffer abgreifen soll – daraus lässt sich doch einiges machen.
Regisseur David Leitch, früher Brad Pitts Stuntdouble und inzwischen Experte für etwas abgedrehtere Actionfilme (DEADPOOL 2, ATOMIC BLONDE, HOBB & SHAW) scheint allerdings nicht so recht zu wissen, was er daraus machen will. So wie der Film eine Weile benötigt, um seinen Groove zu finden, braucht man als Zuschauer – je nach Veranlagung – auch eine Weile, um mit ihm warm zu werden.
Am schlimmsten ist BULLET (T)RAIN, wenn er auf die Gleise uninspirierter Tarantino- und Guy Ritchie-Nachahmer gerät, die man ja eigentlich seit den 2000ern zu Recht stillgelegt wähnte. Dann ist seine Inszenierung von Brutalität nicht mehr unterhaltsam, sondern nur noch zynisch. Beispielsweise, wenn die beiden Killer in einem Flashback die erfolgreichen Tötungen ihres letzten Jobs zählen. Oder wenn jemand sich im qualvollen Todeskampf windet und Brad Pitt dazu hilfsbereit ein Wasser anbietet. Mit solchen lustig gemeinten Episoden schadet der Film sich nur selbst, denn er entzieht damit seinen Protagonisten Sympathien.
Am besten allerdings – und das ist glücklicherweise die meiste Zeit der über zwei Stunden Laufzeit der Fall – ist der Film, wenn er auf sein Ensemble, seine Thrills, seine Wendungen und seine Action vertraut. Und auf seine überraschenden Cameo-Auftritte. Dann trifft SNAKES ON A PLANE auf MURDER ON THE ORIENT EXPRESS und man das Geschehen sozusagen in vollen Zügen genießen. Bis auf überzeugte Physiker, die den Film vermutlich noch lange vor dem überdrehten CGI-Showdown verlassen werden.
Besonders viel Spaß hatte augenscheinlich Brad Pitt beim Dreh, es ist zu vermuten, dass er sich für seine Rolle als austherapierter, friedliebender und grundentspannter Killer vorher noch ein paar Mal THE BIG LEBOWSKI reingezogen hat.
Sieht man also davon ab, dass man das hier alles irgendwo und irgendwie schon mal gesehen hat, dass die Dialoge nicht nur bei Tarantino besser klangen, dass einige Elemente einfach nicht zusammenpassen wollen und dass sich der Film bisweilen im Ton vergreift – dann kann man sich hier doch recht prächtig amüsieren.