Review

Es fährt ein Zug nach Explosion


„Bullet Train“ ist klassisches Sommerblockbusterkino aus Hollywood - nur heutzutage halt mit mehr Blut, Comicappeal und Augenzwinkern denn je. Ein verpeilter und pechbehafteter Auftragskiller in einem futuristischen Hochgeschwindigkeitszug von Tokio nach Kyoto - natürlich zwischen Psychopathen, Leichen, heißer Ware und Selbstironie galore…

Ich hätte wetten können, dass „Bullet Train“ auf einem Manga oder Comic fußt. Im Endeffekt war's nur ein lange Zeit unentdeckter Roman. Dennoch hat David Leitch's Dampfhammerkammerspiel enormen Comicdrive, einen gut wie lange nicht aufgelegten Brad Pitt, ein paar starke Kämpfe, Gewaltspitzen, Style, weitere Topstars und Überraschungen. Der Soundtrack groovt (mit meist japanischen Versionen großer Hits) fluffig durch die Ohren, Zitate auf andere Film- wie Actionklassiker von „Saturday Night Fever“ über Kung Fu Klassiker (Jackie Chan!) bis „Speed“ werden locker aus der Hüfte geschossen und ich mag grundsätzlich Filme, die innerhalb weniger Stunden oder einer Nacht spielen. Man merkt auch, dass „Bullet Train“ ein Liebesbaby vieler Leute mit Stunt- und Fanerfahrung ist, ähnlich wie die „John Wick“-Reihe. Leider geht das Actionfeuerwerk für mich doch überraschend deutlich zu lang und fährt nicht immer so schnell, wie er meint zu sein. Sprich: es gibt Hänger wie Banger, mit „The Raid“ oder eben dem „echten“ Hong Kong-Kino sollte man nicht vergleichen, das Finale ließ mich leicht mit dem Kopf schütteln und es zieht bei weitem nichtmal jeder zweite Dialog oder Joke. Gerade im Mittelteil hätte ich kaum was verpasst, hätte ich mir noch ein Bier geholt. Gerne auch drei Straßen entfernt vom Kino. Nicht selten wirkt das Ganze sogar sehr gewollt, „Deadpool“-like und oberflächlich. Seinen erwartbaren Job macht diese kalorienarme Unterhaltungmetzelei aber schon. Ernst zu nehmen oder auch nur halbwegs bleibend ist das für mich aber nicht im Geringsten. Ich persönlich gucke lieber nochmal „Snowpiercer“. 

Fazit: dieser stargespickte Zug ist länger als man denkt… Solide, meist flotte Freitagsunterhaltung. Selbst wenn nicht jeder Witz zieht und alles öfters und lauter als mir lieb ist nach „Möchtegern-Kult“ schreit. Dennoch: es kracht gut, man lacht gut, es flacht gut (ab). Leitch ist eben kein Tarantino - muss er auch gar nicht! 

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