Bahnfahren in Japan ist eigentlich eine feine Sache, insbesondere mit dem Shinkansen. Pünktlich, guter Service und verlässlich. Hilft nur alles nichts, wenn der Zug voller Killer und -innen ist, die sich gegenseitig in die Quere kommen. So wie in der von David Leitch nach dem gleichnamigen Roman von Kōtarō Isaka inszenierten Actionkomödie inklusive Starbesetzung. In dieser kommt Brad Pitt als zurückgekehrter Profikiller Ladybug an Bord und soll eigentlich nur einen bestimmten Koffer entwenden. Doch gestaltet sich das nicht so einfach, denn weitere Personen aus dem gleichen Gewerbe haben es auf diesen abgesehen.
In seinen knapp zwei Stunden, die nahezu ausschließlich an Bord des Hochgeschwindigkeitszuges spielen, versucht sich Leitch an einer Actionkomödie in dem eigentlich interessanten Setting. Das Ergebnis ist ein zwar in der Ausstattung stilsicherer und mit einer guten Besetzung ausgestatteter Vertreter seiner Art, erlangt aber nie die wohl intendierte Durchschlagskraft.
Zu sehr auf cool getrimmt, dabei in seiner Schwafelei zwar immerhin ein paar gute Witze liefernd, dennoch nicht so lustvoll wie wohl beabsichtigt. Bin aber auch kein Fan von Guy Ritchie und somit wohl auch nicht ganz die Zielgruppe. Immer wieder treffen die unterschiedlichen Figuren mit ihren ebensolchen Absichten und Plänen aufeinander und man merkt diesem Wechselspiel den Willen an, flott und clever konstruiert zu sein. Nicht immer liefert "Bullet Train" hier, was auch an der Länge liegt. Nicht unblutig ist die Chose geraten, wobei das effektmäßig leider eben oft mäßig ist, besieht man sich die teils auffallend künstlichen computergenerierten Passagen. Das beginnt bei sich durch Körper bohrenden Schwertern und endet bei einem völlig überzogenen Schlussakt, der tonal überhaupt nicht zum Rest des Films passen will. Hätte es so nicht gebraucht und da zieht es sich zum Ende hin dann auch. Ein Ende finden ist eben manchmal nicht so leicht.
Mit Brad Pitts Ladybug liefert man immerhin so etwas wie eine Identifikationsfigur, der Rest ist mal mehr, mal weniger sympathisch. Gut besetzt ist das dennoch, man bekommt immerhin Aaron Taylor-Johnson, Brian Tyree Henry, Joey King oder Zazie Beetz präsentiert. Und einen irgendwie deplatziert wirkenden Michael Shannon, schade drum. Als Ausgleich gibt's einen witzigen Channing Tatum.
Immer mal wieder Exposition, Geschwafel über Schicksal, dazu Zeitlupen und CGI-Gewalt. Überdies ist "Bullet Train" einer dieser Filme, die ihr Publikum für etwas blöde halten und vor einer halben Stunde vermittelte Informationen noch einmal ins Bild holen müssen. Aufmerksamkeitsspanne und so. Das brauchbare Szenario ist nicht so temporeich wie der Shinkansen, aber unterm Strich kompetent gespielt und inszeniert. Um sich zwei Stunden berieseln zu lassen passt das schon, wenn auch unnötig konstruiert und weniger witzig und durchschlagskräftig als gedacht.