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Staffel 1

Als Mini-Serie zeichnet „Pistol“ den Weg der britischen Punkrockband „Sex Pistols“ nach, die Ende der 1970er Jahre die Musikszene aufmischte. Das war ja auch so geplant und das kurzlebige Projekt hat durchaus seine Spuren in der Musiklandschaft hinterlassen. Danny Boyle nahm dies zum Anlass, den Werdegang der Gruppe mitsamt Umfeld unter Zuhilfenahme des Buchs „Lonely Boy: Tales from a Sex Pistol" von Steve Jones nachzuzeichnen. Jones steht somit oft im Mittelpunkt, ist eines der Gründungsmitglieder und war (unter anderem) der Gitarrist der Band und so bekommt man zu Beginn jeder Folge "The following is inspired by actual events" zu sehen.

Wie bei allen biographischen Verfilmungen kommt man also nicht umhin sich zu fragen, wie realitätsgetreu das Ganze hier aufbereitet wurde. Interessiert man sich für diese Epoche, die Band und den Weg, den sie nahm, ist der Sechsteiler ein spannender Überblick. Über die wechselnde Besetzung und das sich-Finden, den Antreiber / Manager Malcolm McLaren, der das hier als seine (wie er es nennt) Marke bezeichnet, die sich allerdings auch selbständig macht. Dazu bebildert Boyles Serie auch die Geschichte von manch bekanntem Song und klappert natürlich diverse Stationen ab. Die Mischung aus teils technischer Unfähigkeit und Durchstrukturierung, aus Planung und der Zielvogabe Chaos machte das ganze Musikprojekt recht spannend, sorgte aber auch für Spannungen – nach innen und außen.

Die Präsentation ist ebenfalls erst mal gewöhnungsbedürftig. Im 4:3-Format, wie von einem Weichzeichner überlagert gibt sich das Bild, will so retro-zeitgenössisch wirken. In dem Bewusstsein, eine aktuelle Produktion zu sehen, mutet dies befremdlich an, auch wenn die Intention dahinter klar ist. Dafür ist der Sound angemessen rotzig, die (von den Darstellern selbst dargebotenen) Songs fetzen und übertragen das zu vermittelnde Gefühl.
Dazu trägt auch die Besetzung bei, die recht gelungen ist. Neben Jones, dargestellt von Tobey Wallace, spielt sich Anson Boon als John Lydon / Rotten in den Vordergrund. Er verfügt über einige Präsenz und lässt Lydon mitunter gar nicht mal so dumm aussehen, wie er heutzutage rüberkommt. Louis Partridge portraitiert Sid Vicious, ich konnte mich mit der Type nie anfreunden. Thomas Brodie-Sangster wirkt als McLaren etwas bubihaft, macht dies jedch mit Spielfreude locker wett und mit Sydney Chandler als Chrissie Hynde (später Frontfrau bei The Pretenders) hat man gleich noch eine Bekannte aus der Muskwelt miterzählt. Zumindest am Rande, die Pistols stehen stets im Mittelpunkt und doch nimmt sich die Serie auch hier und da einen Schlenker. Dies rundet das Gesamtbild ab, wenn man diverse (auch überraschende) Einblicke in die familiären Verhältnisse mancher Mitglieder bekommt und dies doch ein weiteres Licht auf das Image der Band werfen mag.

Die fehlende Akkuratesse kann man monieren, ebenso die dem Selbstzweck dienende Präsentation oder die dramatischen Zuspitzungen, die hier konstruiert werden. Was man „Pistol“ aber hoch anrechnen kann, ist das Gefühl, das die Serie transportiert. Für den Kern der Unternehmung, das Mit- und Gegeneinander der Figuren und für den rohen Sound. Und das macht Boyle, aller stilistischen Spielereien zum Trotz, mehr als passabel und ziemlich unterhaltsam.

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