Nach „Lucky“ ist es einmal mehr Brea Grant, die sich mit dem Frauenbild in der Gesellschaft auseinandersetzt. In diesem Fall mit der Rolle von Frauen in der Country-Szene und der damit einhergehenden Vergänglichkeit, wenn man nicht gerade Dolly Parton heißt.
Jordan (Abby Quinn) und Leigh (Alexxis Lemire) bilden das aufstrebende Country-Duo „Torn Hearts“, welches durch die Clubs von Nashville tingelt. Über Umwege erhalten sie die Adresse von Legende Harper Dutch (Katey Sagal), die in den 90ern mit ihrer bereits verstorbenen Schwester große Erfolge verbuchen konnte. Im Herrenhaus der Sängerin angekommen, entwickelt sich der Aufenthalt für die drei jedoch anders als erwartet…
Sexismus und Altersdiskriminierung sind Bereiche, die sich quer übers komplette Showgeschäft erstrecken. Noch immer wird viel übers Aussehen definiert, leider weniger über die Ausstrahlung, weshalb (nicht nur) Frauen oftmals in den Teufelskreis der künstlichen Verjüngung geraten. Als Jordan und Leigh erfahren, dass eine Tour ausschließlich den rein männlichen Acts vorbehalten sei, suchen sie die Chance bei ihrem Idol und wer schon ein paar Düsterfilme gesichtet hat, weiß, dass dies selten eine gute Idee ist.
Was folgt, ist ein kammerspielartiges Treiben, welches auf eine angespannte Stimmung setzt. Allerdings wird rasch klar, dass die einstige Star-Sängerin mindestens einen an der Klatsche hat und versuchen wird, mit Machtspielchen und Manipulationen einen Keil zwischen das Duo zu treiben. Mögliche Beweggründe sind zeitig erahnbar und gleichermaßen ist absehbar, welche der jungen Damen von der vermeintlichen Aura der Künstlerin geblendet wird und wer eher zum rationalen Tagesgeschehen zurückkehren dürfte.
Leider hält Grant den Ball eher flach und überrascht selbst mit kleinen Eskapaden nicht. Sie steigert die Dinge nie ins Groteske, sondern kehrt nach kurzen emotionalen Ausbrüchen stets wieder in den Bereich des Bodenständigen zurück. Zwar fließt, vermehrt im letzten Drittel noch ein wenig Blut, doch auch hier wäre etwas mehr Zynismus von Vorteil gewesen, zumal eben keine Twists bemüht werden, um der Sache noch einen letzten positiven Anstrich zu verleihen.
Aufgrund der eher minimalistischen Ausrichtung konzentriert sich das Treiben folgerichtig auf Teile des Interieurs, welches mit viel Pink und Redneck-Glamour bewusst an die 90er erinnert. Unweigerlich rücken die drei Damen in den Fokus des Geschehens, welches klar von Sagal als Harper Dutch dominiert wird. Von der Peggy Bundy aus „Eine schrecklich nette Familie“ ist glücklicherweise nicht mehr viel übrig, stattdessen dominiert eine Präsenz, die zwischen Dominanz und Jähzorn die Strippen zieht. Die beiden Kolleginnen performen demgegenüber ganz okay und brauchbar.
Karriereträume, vergänglicher Ruhm und toxische Zweckgemeinschaften, - Grant hält einige Unterthemen für ihren Psycho-Thriller parat, doch in Sachen Suspense kocht sie über weite Teile auf Sparflamme. Aufgrund der überschaubaren Konstellation bleibt kaum Raum für Überraschungen und so gestaltet sich das Treiben zwar nicht uninteressant, doch einen bleibenden Eindruck hinterlassen die 97 Minuten nicht.
5,5 von 10