Mit dem Kriminalfilm, der vage auf wahren Begebenheiten beruht, geht der deutsch-französische Regisseur Dominik Moll ein Wagnis ein: Mit der Information, dass 20 Prozent aller Mordfälle in Frankreich ungelöst bleiben, unterwandert er die grundlegende Erwartungshaltung des Publikums, da es am Ende keine Festnahme geben wird.
12.Oktober 2016, eine kleine Ortschaft in den französischen Alpen: In der Nacht befindet sich Clara auf dem Heimweg von einer Party, als ihr ein Fremder auflauert und sie anzündet, woraufhin die junge Frau stirbt. Die Ermittler um Yohan und Marceau nehmen das Umfeld Claras ins Visier, doch jede verheißungsvolle Spur scheint im Sande zu verlaufen…
Frustrierend gestaltet sich der Polizeialltag nicht nur, wenn der Drucker aus unerfindlichen Gründen nicht funktioniert. Die unbegreifliche Tat gibt zunächst wenig Rückschlüsse, es gibt kaum Spuren, jedoch zahlreiche Tatverdächtige, welche der Reihe nach befragt werden.
Dabei befindet sich die Erzählung stets auf dem schmalen Grad der Täter-Opfer-Umkehr, als herauskommt, dass Clara zu diversen Männern sexuelle Kontakte zu pflegen schien. Erst ihre beste Freundin stellt irgendwann klar, dass Clara starb, weil sie ein Mädchen war.
Tatsächlich sind es zumeist männliche Ermittler, welche die mehrheitlich männlichen Täter dingfest machen sollen und auf jene konzentriert sich das Geschehen zusehends. Vor allem auf die Auswirkungen bei dem eher schweigsamen Yohan und den zu impulsiven Reaktionen neigenden Marceau, welcher in einer Situation über die Stränge schlägt, die mehr als nachvollziehbar erscheint. Bei alledem bleibt die Erzählung angenehm nüchtern, jedoch nie zu distanziert. Man ist bei den Figuren und obgleich das Whodunit von Anfang an hoffnungslos anmutet, wird automatisch die Perspektive des Ermittlers und die Suche nach etwaigen Motiven eingenommen.
Ergo nimmt der Stoff genügend in Beschlag, obgleich die eigentliche Polizeiarbeit nicht allzu sehr ins Detail geht. Hier und da werden Gespräche abgehörter Telefone ausgewertet, dort die Gedenkstätte genauer ins Visier genommen, während sich der Frust, trotz Zusammenhalts im Revier bei jedem unterschiedlich abzeichnet. Sogar nach einem Break und drei Jahre nach der Tat, nagt selbige an den zuständigen Polizisten.
Inszenatorisch geht Moll die Sache ohne sonderliche Schnörkel, jedoch sehr konzentriert und mit einer exzellent abgestimmten Musik an, während sämtliche Mimen stark performen, indem sie viel mit kleinen Nuancen arbeiten. Die leicht verschneite Alpenkulisse bildet einen passenden Rahmen für einen Fall, der am Ende keine Genugtuung liefert, was den einen oder anderen Zuschauer reichlich ratlos zurücklassen könnte.
Dennoch ein atmosphärisch dichter, allerdings nicht übermäßig spannender Krimi, der trotz kleiner Längen anzusprechen vermag.
6,5 von 10