Ein Esel kommt um die Welt
In der enorm kraftvollen, stoischen, polnisch-italienischen Arthouse-Co-Produktion „Eo“ folgen wir dem titelgebenden Esel auf seiner langen, beschwerlichen Reise - beginnend in seinem „elterlichen“ Zirkus über etliche Stationen zwischen menschlicher Hoffnung und menschlichen Abgründen, zwischen Streicheln und Peitschen, zwischen Zuckerbrot und Peitsche - und das Packtier bleibt egal was ihm passiert standhaft wie ein Fels in der Brandung dieser vielfältigen, mal grausamen, mal wunderschönen Welt…
In der Ruhe liegt die Kraft
„Eo“ fühlt sich an wie eine Mischung aus Naturdoku und Arthouse-Roadmovie der besonderen Art. Wunderbar, stark, auch mal schwer anzugucken. Doch dann wieder voller Schönheit und Sonnenlicht, Hoffnung und Liebe. Alles auf dem „Rücken“ dieses bewundernswerten Tieres. Er weint und er schleppt, er guckt und er erträgt, er heilt und er strahlt, er trägt und er kippt einfach nicht um. Eo, was ein prachtvolles Kerlchen! „Eo“, was ein prachtvolles Filmchen! Das gab's in dieser kontemplativen Art und Weise noch nie. Trotz Bresson. Das brodelt und brummt, das wiehert und spannt die Muskeln an, das tut einem leid und gut zugleich. Europäisches Kunstkino der besonders immersiven und nahegehenden Art. Vor allem wenn man tierlieb ist. Ein Ballet der Widerstände. Ein Traum der Wirklichkeit. Ein Ritt in die Freiheit. Dieses graue Fell spricht Bände. Nach diesem kompakten Tiertraum (oder Martyrium?!) sieht man die Welt mit anderem Blick. Wovon träumen Esel nachts?! Ganz sicher nicht nur von Heu und Wasser…
In diesen Augen spiegelt sich das Universum
Fazit: unfassbar intensive Odyssee eines Esels, bei der man mehr über uns Menschen lernt als über ihn - und ihn dabei dennoch ins Herz schließt, wie nur wenige andere Tiere in Filmen zuvor. Wunderbare Hommage und Fortsetzung im Geiste zu Bressons „Au Hasard Balthazar“. Kaum schwächer. Ganz großes, meditatives und geduldiges Kino!