iHaveCNit: Holy Spider (2023) – Ali Abbasi – Wild Bunch
Deutscher Kinostart: 12.01.2023
gesehen am 13.01.2023
Arthouse-Kinos Frankfurt – Cinema - Lumiere – Reihe 5, Platz 12 – 20:30 Uhr
Der wohl wichtigste Filmstart vom aktuellen Wochenende ist der dänische Oscar-Beitrag „Holy Spider“, den ich mir natürlich auch ansehen wollte. Auch wenn der Film eine europäische Co-Produktion ist, sehe ich ihn aufgrund seines Settings als iranischen beziehungsweise multinationalen Film an und hier haben mir bereits in der Vergangenheit Filme wie „Die Ballade von der weißen Kuh“ sowie Asghar Farhadis „A Hero“ und „The Salesman“ gefallen – und „Holy Spider“ macht genau dort weiter.
In der iranischen, heiligen Pilgerstadt Maschhad dreht im Jahre 2000 ein Serienkiller nachts seine Runden. Sein Ziel sind Prostituierte, die er erdrosselt und entsorgt. Die Journalistin Rahimi reist von Teheran nach Maschhad um über den Fall zu berichten. Doch in der stark religiös und patriarchal geprägten, korrupten Stadt sind die Hindernisse für sie als alleinstehende Frau kaum zu überwinden, so dass sie eine radikale Entscheidung treffen muss.
„Holy Spider“ ist ein abstoßend schockierender, aber auch faszinierend starker Film geworden. In diesem Film, der ein wenig wie ein Film Noir wirkt geht es weniger um die Ermittlung wer dahinter steckt, das ist bereits schon sehr früh im Film klar. Hier geht es eher darum aufzuzeigen, wie widersprüchlich vielschichtig die Motive des von Mehdi Bajestani gespielten Zimmermanns Saeed sind und wie diese auch von der Gesellschaft wahrgenommen werden. Ebenfalls geht es hier auch um die gesellschaftliche Wahrnehmung von Prostitution aus Sicht einer stark religiös und patriarchal geprägten und auch korrupten Gesellschaft, wie man sie stellvertretend für viele Länder und Städte auch in Maschhad findet – und mit welcher Selbstverständlichkeit Misogynie dort gelebt wird. Gerade hier hat es in Bezug zur Handlung zur Untermauerung der gesellschaftskritischen Botschaft und Anklage gepasst, die von Zar Amir Ebrahimi gespielte Journalistin Rahimi als fiktionalen Charakter einzubinden. Elemente der Handlung scheinen daher auch, wenn man sich oberflächlich mit Zar Amir Ebrahimis Karriere beschäftigt auch als kritischen Meta-Kommentar zu funktionieren. Stark gespielt, atmosphärisch inszeniert und spannend erzählt ist „Holy Spider“ auf jeden Fall ein weiterer starker Film im Jahr 2023.
„Holy Spider“ - My First Look – 9/10 Punkte.