iHaveCNit: Nostalgia (2023) – Mario Martone – MFA+
Deutscher Kinostart: 08.06.2023
gesehen am 10.06.2023
Arthouse-Kinos Frankfurt – Kleine Harmonie – Reihe 3, Platz 9 – 20:30 Uhr
So langsam müsst sich meine Oscar-Nachlese dem Ende nähern. Vor allem wenn es um die Beiträge der unterschiedlichen Länder für den „Best International Feature Film“ geht, der letzten Endes bekanntlicherweise an „Im Westen Nichts Neues“ gegangen ist. Da ist es immer wieder interessant, welche Filme von anderen Ländern hier eingereicht werden. Welchen Film Italien eingereicht hat, lässt sich aktuell in den Kinos durch „Nostalgia“ feststellen, ein Film, der auf einem Roman von Ermanno Rea basiert und von Mario Martone inszeniert worden ist.
40 Jahre ist es her, seit Felice aus Angst vor den Folgen einer kriminellen Aktion im Alter von 15 Jahren aus seinem Heimatviertel Sanita in Neapel über den Libanon nach Ägypten geflohen ist und sich seitdem nie wieder in seiner Heimat hat blicken lassen. Doch nun macht er sich auf die Reise in seine Vergangenheit, nicht nur um seine Mutter noch einmal zu sehen, sondern auch seine Schuldgefühle gegenüber einem alten Freund reinzuwaschen, der mittlerweile scheinbar eng mit der Camorra zu tun hat und sich die Frage stellt, ob diese Rückkehr von Felice in die Heimat richtig gewesen ist.
„Nostalgia“ lebt von einer großartigen Darstellung durch Hauptdarsteller Pierfrancesco Favino, dem man sehr viel von seinem Charakter des Felice im Gesicht ablesen kann. Von Angst, Trauer, Schuldgefühlen, Naivität ist in seinem ambivalenten Charakter sehr viel abzulesen. Berührend und verletzlich ist der Film, wenn wir uns vor allem seine Beziehung zu seiner Mutter ansehen, die für extrem starke Momente im Film sorgen. Ebenso hat mir die Inszenierung von Neapel und insbesondere des Stadtviertels Sanita gefallen, die hier als lebende, atmende Stadt präsentiert wird, die gleichermaßen eine nostalgische Faszination für Favinos Felice auslöst, aber auch durch seine engen Gassen wie ein Labyrinth wirkt, aus dem es für Favinos Felice kein Entkommen mehr gibt. Wie zeitlos die Stadt und das Viertel sind, zeigen vor allem die Gegenschnitte mit starken Rückblenden aus der Zeit, in der ein junger Felice mit seinem guten Freund Oreste damals auf dem Motorrad durch die Stadt unterwegs war. Doch so ähnlich wie das Viertel dann am Ende einem Labyrinth gleicht, in dem man sich etwas verlieren kann, so hat der Film dann doch durch seine Behäbigkeit mich auch etwas ratlos zurückgelassen, selbst wenn natürlich die endgültige Konsequenz im Sinne dass jeder für seine Schuld bezahlen muss eine passende Konklussion ist.
„Nostalgia“ - My First Look – 8/10 Punkte.