Review

Boring Boring auf Bora Bora

„Pacifiction“ ist ein fast dreistündiges Epos, Fresko und Fiasko (!) u.a. über einen einflussreichen, französischen Diplomaten auf einer Insel in Polynesien, der versucht zu klären, warum Gerüchten nach ein französisches U-Boot aufgetaucht sei und eine mögliche drohende apokalyptische Schwere über die eigentlich paradiesische Inselregion legt… 

Die schönste Schlaftablette des Jahrzehnts?!

Mutig und eigen ist „Pacifiction“ ja schon irgendwie. Ein Kunstwerk auch. Und dennoch ist er dermaßen langweilig und prätentiös, dass sicher nicht nur mir die Spucke wegbleibt. Ob es brummende Bilder aus einem Club oder vom schwülen Surfen auf dem Meer, von rosanen Sonnenuntergängen oder exquisiten Supervillen aus Beton, von der aufziehenden Apokalypse oder Fünf-Gänge-Menüs sind - „Pacifiction“ sieht immer atemberaubend aus und zieht einen zumindest visuell vage in seinen Bann der Pastelltöne. Nur leider kam von der Geschichte und den Mysterien dahinter bei mir nahezu nichts an - was die lange Laufzeit zu einer echten Prüfung bis Tortur werden ließ. Dagegen wirken selbst Refn, Tarkovsky oder von Trier in ihren verkopftesten Phasen noch schwungvoll und unterhaltsam. „Pacifiction“ ist einfach ein kolossaler Kaugummi mit Kokosnussgeschmack. Absolut wahnsinnig wie langsam, behäbig und, ja, auch leer das die meiste Zeit wirkt. Mit der visuellen Brillanz gleichzeitig ergibt das eine bizarre Kreuzung und einen Brecher für eine minimal kleine Zielgruppe. Nicht unbedingt für mich. Seine Vision, seine Visuals, seine Eleganz und seine besondere Atmosphäre kann ich nicht verneinen und verschweigen. Sein brutales und nervtötendes, anstrengendes und arges Anti-Entertainment aber genauso wenig. 

NWR auf Valium?!

Fazit: konzeptuell und stilistisch super hübsch und interessant und einlullend. Geschichtlich und als Unterhaltungsfilm aber nahe an einer Frechheit und erzählerischen Bankrotterklärung… „Pacifiction“ ist ein exotisch-lethargisches Unikum, das wohl mehr Kritiker als „normale“ Filmgucker je sehen geschweige denn mögen und schätzen werden. Und vielleicht ist das auch besser so. Eine sinnliche Zumutung. Ein gigantischer Gähner. Ein frivoler Flop. Ein versiertes Vanity Projekt. 

Details
Ähnliche Filme