Review

iHaveCNit: Joyland (2023) – Saim Sadiq - Filmperlen

Deutscher Kinostart: 09.11.2023

gesehen am 09.11.2023

Arthouse-Kinos Frankfurt – Große Harmonie – Reihe 4, Platz 9 – 20:45 Uhr

Normalerweise habe ich gedacht, dass meine Oscar-Nachlese im Bereich der Einreichungen für den Preis „Best International Feature Film“ der Verleihung 2023 schon vorbei sei, doch ab und an schleicht sich auch ein weiterer Film auf meine Liste. Im November 2023 habe ich nun die Gelegenheit gleich 2 weitere Filme zu sehen. Der erste Film hier ist mutige Pionierarbeit, denn bei Saim Sadiqs „Joyland“ aus Pakistan handelt es sich um den ersten Film aus Pakistan, der für den „Auslandsoscar“ überhaupt eingereicht worden ist und auch um den ersten Film aus Pakistan, der in Cannes aufgeführt – und letztendlich auch ausgezeichnet wurde.

Der arbeitslose, kinderlose, verheiratetete Haider lebt mit seinem Vater, seinem älteren Bruder, seiner Frau und der Frau seines Bruders und den Kindern in einer kleinen gemeinsamen Wohnung im pakistanischen Lahore. Haider, dem nichts wirklich gelingen mag, steht aufgrund der Erwartungen an ihn, endlich mit seiner Frau, der Kosmetikerin Mumtaz der Familie einen Sohn zu schenken unter Druck. Ein Jobangebot führt ihn in ein Tanztheater ins Ensemble der Backgroundtänzer der Transfrau Biba, die dem ungelenken Haider die Chance gibt. Aus dieser schicksalhaften Begegnung entsteht eine Verbindung, die ebenso schicksalhafte Folgen für Haiders gesamtes Umfeld haben könnte.

„Joyland“ ist wie bereits erwähnt mutige Pionierarbeit, denn er lässt sich als gleichermaßen Familien- und Liebesdrama im queeren Sektor verorten und auch thematisch übt der Film durchaus am stark konservativen, traditionalistischen, patriarchal und religiös geprägten System des Landes und vor allem seinen Erwartungen an Familien- und Rollenstrukturen Kritik und zeigt, wie sehr Pakistani durch diese Zwänge und Normen sich individuell eingeschränkt fühlen. Mit einer fein nuancierten Empathie und Menschlichkeit lässt er uns auch weitestgehend unpathetisch diese Kritik durchscheinen und er verzichtet auf die große, laute, moralische und belehrende Botschaft. Er zeigt uns in vielen kleinen Momenten, mit welcher Transphobie, Homophobie, Mysogynie auch einer gewissen Misandrie viele Pakistani zu kämpfen haben, welche Folgen und welche Spannungsfelder sich hier ergeben. Dennoch bleibt dieses Familien- und Liebesdrama sehr fein, intim, menschlich, bodenständig, hat seine gewisse Portion Witz und Humor und auch eine gewisse Portion Tragik und Symbolik zu bieten, so dass der Film auf mich eine interessante Faszination ausüben konnte, auch wenn er es nicht ganz geschafft hat mich emotional zu erreichen und in seiner thematischen Vielfalt fehlte auch ein wenig der Fokus auf ein ganz bestimmtes Thema. Besonders herausragend im Ensemble haben mir vor allem das Trio aus Ali Junejo, Alina Khan und Rasti Farooq gefallen.

„Joyland“ - My First Look – 8/10 Punkte. 





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