Jessas! Was für ein aberwitziger Irrsinn, dieser deftige Mix aus abgründigem Psycho-Schocker, blutig-bizarrem Body-Horror & bitterböser Gesellschafts-Satire. Eine Satire, die nicht bellt, sondern kräftig beißt. Die Skandinavier (diesmal die Norweger), immer wieder für einen Kracher gut.
Im Mittelpunkt steht die ca. 30jährige Signe (Kristine Kujath Thorp), die darunter leidet, dass sie nicht genug Aufmerksamkeit bekommt, erst recht, als ihr Freund Thomas (Eirik Sæther) als Künstler durchstartet. Als sie einer schwer verletzten Frau hilft, steht sie kurz im Mittelpunkt. Das gefällt ihr. Sehr. So sehr, dass sie mit den vollgebluteten Klamotten & dem blutbespritzten Gesicht stolz nach Hause spaziert. Doch was tun, um die Blicke weiterhin auf sich zu ziehen? Beim Blättern in einem Magazin hat sie die Idee.
Ich kann mich nur wiederholen: Jessas! Regisseur Kristoffer Borgli & Schauspielerin Thorp (Ninjababy) schaffen das Kunststück, die narzisstische & ziemlich kaputte Hauptfigur so menschlich & lebendig darzustellen, dass in mir die widersprüchlichsten Gefühle tobten. Und sind die drastischen Entscheidungen, die sie trifft, tatsächlich so weit hergeholt? Ne, oder? Das Motto "Aufmerksamkeit um jeden Preis" hat ja die ungute Eigenschaft, den Kopfinhalt der Publicity-geilen Selbstdarsteller zu verblöden. Borgli spielt hier übrigens gekonnt mit der Wahrnehmung, da vermischen sich oft Wunsch- & Albträume so mit der Wirklichkeit, dass es nicht immer klar ist, was real ist & was nicht.
Eine kranke, rabenschwarze & auf eine abstoßende Weise komische Groteske, die hin & wieder sogar berührt. Große Klasse.