Review

iHaveCNit: Mein Sohn, der Soldat (2023) – Mathieu Vadepied – Weltkino

Deutscher Kinostart: 02.11.2023

gesehen am 05.11.2023

Arthouse-Kinos Frankfurt – Cinema – Studio – Reihe 3, Platz 1 – 16:15 Uhr

Für Freunde von unter anderem „1917“ und „Im Westen Nichts Neues“, die sich auch gerne mit der Aufarbeitung von Kolonialverbrechen auseinandersetzen möchten läuft seit dieser Woche das Anti-Kriegs-Drama „Mein Sohn, der Soldat“ von Mathieu Vadepied mit Omar Sy in der Hauptrolle in den Kinos.

Der Senegalese Bakary Diallo muss feststellen, dass sein Sohn Thierno von der französischen Armee gefangen und für den Militärdienst im Jahre 1917 in Verdun zwangsrekrutiert wird. Sein Vater Bakary meldet sich freiwillig für den Militärdienst, damit er bei seinem Sohn sein kann und ihn beschützen kann. Mit dem lukrativen Angebot, nach erfolgreichem Militärdienst die französische Staatsbürgerschaft zu bekommen im Rücken, scheint es bei dem aussichtslosen Krieg für die rekrutierten Senegalesem um Alles zu gehen. Für Bakary ist jedoch sein Sohn das Wichtigste, ohne zu ahnen, wie ein Einfluss eines französischen Generals die Vater-Sohn-Beziehung auf eine harte Probe stellen wird.

Der Film hat es sich im Ansatz zur Aufgabe gemacht, die Zwangsrekrutierung von Männern in den französischen Kolionalgebieten – hier am Beispiel des Senegals – für den ersten Weltkrieg und auch für diejenigen, die dabei gestorben sind, aufzuarbeiten und ihnen ein wenn auch mit 100 Minuten kleines filmisches Denkmal zu setzen. Damit der Film eben einen emotionalen Zugangspunkt zu dieser Aufarbeitung finden kann, wurde ein fiktives Vater-Sohn-Drama in den Film integriert. Gerade die Dynamik zwischen Vater und Sohn, hier von Omar Sy und Alassane Diong gespielt, hat mir sehr gut gefallen. Ganz interessant ist hier auch der Ansatz, dass sich durch gewisse Manipulation und Machtmissbrauch gegenüber dem Sohn auch eine Verschiebung der Machtverhältnisse an der Front zwischen Vater und Sohn ergibt, bei dem es ein interessantes Spannungsfeld zwischen militärischem Gehorsam auf der einen und patriarchalischer Fürsorge und väterlicher Führung auf der anderen Seite ergibt. Leider ist der Film mit 100 Minuten etwas kurz geraten, um diese Konflikte in der Tiefe verhandeln zu können – das gleiche gilt natürlich auch für das ehrenwerte Thema der Aufarbeitung dieses Kapitels der französischen Geschichte im ersten Weltkrieg.

„Mein Sohn, der Soldat“ - My First Look – 7/10 Punkte. 





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