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Was auf den ersten Blick eher reißerisch anmutet und durchaus Potenzial für einen Exploitationer mit etwas Action mitbringt, entpuppt sich als überaus geschwätziges Unterfangen, der selbst die Möglichkeiten eines Low Budget Streifens sträflich vernachlässigt.

Lucy (Lowri Watts-Joyce) hat endlich eine Spur jenes Mörders, der für den Tod ihrer Urgroßeltern im KZ Auschwitz verantwortlich war. Sie reißt in ein Kaff im ländlich gelegenen England, wo sie unter einem Vorwand beim Farmer Terry (Jeffrey Charles Richards) vorstellig wird. Dieser Mann soll in Wahrheit Rudolf Tannhäuser sein, doch hat Lucy mit ihm tatsächlich den richtigen gefunden?...

Mit nur 78 Minuten Laufzeit (ohne Abspann) begibt man sich auf eine Reise, die zumindest von der vermeintlich idyllischen Kulisse her einladend erscheint. Ein uriges Dorf im Hinterland, jeder kennt jeden mit Vornamen und entsprechenden Trinkgewohnheiten, doch sobald eine fremde Person im Pub erscheint, frieren sämtliche Gesichter ein.
Die Nebendarsteller sind treffend besetzt, die Kamera liefert einige taugliche Ansichten per Drohne und auch der Score erzeugt phasenweise eine stimmige Atmosphäre.

Jedoch stellt sich mit ausbleibendem Zugang zu den beiden Hauptfiguren ein eklatantes Problem heraus. Lucy wird als toughe Sportlerin auf den Spuren einer Agentin eingeführt, was Eigenschaften hervorhebt, die später überhaupt nicht mehr abgefragt werden. Die junge Dame bleibt während der kompletten Entwicklung kühl, distanziert und emotionslos, was die Motivation ihrer Aktion rundum infrage stellt. Ein wenig mysteriöser erscheint die Figur des Terry, der eventuell doch eine Leiche im Keller hat, obgleich dieses eventuell nichts mit seiner Vergangenheit zu tun hat. Diesbezüglich ist immerhin ein Minimum an Suspense im Spiel.

Mit fortlaufender Dauer entfaltet sich der Stoff als immer langweiliger und von ermüdenden Monologen durchsetzte Angelegenheit. Einziger Lichtblick sind die Schilderungen einer Vertrauten von Lucy, welche über traumatisierende Erinnerungen aus dem Konzentrationslager berichtet, was von Rula Lenska glaubhaft geschildert wird und keine weiteren, ergänzenden Bilder benötigt.

Regisseur und Autor Richard John Taylor scheint kein Interesse an Nervenkitzel zu haben, denn selbst körperliche Konflikte werden lediglich angedeutet, wogegen Ansätze von Gewalt sogleich ins Off verfrachtet werden, - da muss ein leicht blutiges T-Shirt ein paar Szenen später reichen. Hierzu passt auch der lahme Showdown, der trotz einer kleinen Wendung rein gar nicht überrascht.

Ein weiteres latent auffallendes Manko ist das unbeholfene Spiel der Hauptdarstellerin Lowri Watts-Joyce, die zwar zu gegebener Zeit Coolness ausstrahlt, jedoch nie über diese Eigenschaft hinauskommt und null Gefühl vermittelt. Ihr Gegenpart Jeffrey Charles Richards performt da weitaus präsenter, nuancierter und glaubhafter.

Letztlich führt die Chose, trotz ernstem Hintergrund und bemühtem Handwerk zu nichts. Es kommen weder Spannung oder gar Nervenkitzel auf, das Rätseln fällt aufgrund gestelzter, oft inhaltloser Dialoge weitgehend flach und von Action kann innerhalb der Monotonie schon gar keine Rede sein. Ein durch und durch müder und unkreativer Rachefilm.
3 von 10

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