iHaveCNit: Bros (2022) – Nicholas Stoller – Universal
Deutscher Kinostart: 27.10.2022
gesehen am 28.10.2022
Kinopolis Main-Taunus-Zentrum – Kino 11 – Reihe 16, Platz 15 – 20:00 Uhr
Mich haben in den letzten Jahren auch durchaus immer mal Filme begeistern können, die die gleichgeschlechtliche Liebe zwischen Männern zum Gegenstand hat, meistens im eher nischigen Arthouse-Sektor durch großartige Filme wie Xavier Dolans „Matthias & Maxime“ sowie Luca Guadagninos „Call Me By Your Name“. Doch im Bereich klassischer Rom-Coms ist die Repräsentation noch etwas ausbaufähig. „Bros“ von Nicholas Stollas schickt sich an, das zu ändern. „Bros“ hat mich begeistern können, auch wenn der Blick in die USA verrät, dass der finanzielle Erfolg leider ausbleibt und vorwiegend der traditionell-konservative, rechte Teil des Landes natürlich seine Probleme mit „Bros“ hat.
Bobby Leiber ist schwul, Podcaster, Aktivist und Museumsleiter eines Museums für die Geschichte der LGBTQ+-Geschichte. Doch nicht nur das. Mit mittlerweile 40 Jahren betrachtet er sich als emotional unfähig zu Bindungen. Bis er eines Abends im Club auf den gut aussehenden Aaron trifft, der ebenfalls seine Probleme mit Bindungen zu haben scheint. Eine Begegnung, die das Leben beider Männer ändern und auf die Probe stellen wird.
„Bros“ ist eine nach den klassischen, klischeehaften Regeln gestrickte Rom-Com geworden, die auch zeigt, dass es bei gleichgeschlechtlicher Liebe und Sexualität eben ähnliche Herausforderungen gemeistert werden müssen wie im üblichen heteronormativen Sinne klassischer Rom-Coms im Sinne „Boy meets Girl“. Das Interessante an Bros ist, dass er durchaus stellenweise in sich selbst ein Meta-Kommentar auf sich selbst ist. Am Drehbuch war auch Hauptdarsteller Billy Eichner beteiligt, der auch wie sein Co-Darsteller Luke McFarlane selbst homosexuell ist und damit im Film einen feinen, aus seiner Perspektive leicht authentischen Blick auf das Dating als Homosexueller liefert und mit welchen Herausforderungen und Klischees das Ganze verbunden ist. Natürlich liefert der Film auch einen leichten Blick in die Szene selbst und die Klischees und Widersprüche innerhalb von sowohl homosexuellen Männern als auch der LGBTQ+-Community, die aber weder aufklärend und belehrend in den Film integriert sind, sondern als in sich stimmiges Milieu etabliert werden, indem der Film spielt. Auch wenn nicht unbedingt jeder Gag des Films für mich gezündet hat und der Hauptprotagonist seine Sympathien erst erspielen muss, hatte ich meinen Spaß an „Bros“ und verstehe an der Stelle nicht, warum sich ausgerechnet ein traditionell-konservativer, rechter Teil der Gesellschaft durch einen solchen Film getriggert und angegriffen fühlt. Das ist kein Film für euch und was habt ihr für einen Anspruch an die Sexualität und sexuelle Identität anderer Personen ? Ich bin der Meinung, dass es hier konsequent um Koexistenz statt Konkurrenz gehen sollte und das nicht-heteronormative und heteronormative Beziehungen in unserer Welt und Gesellschaft gleichermaßen einen Platz verdient haben – und das auch auf der großen Leinwand des Kinos.
„Bros“ – My First Look – 8/10 Punkte.