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Um ins Restaurant Hawthorne zu kommen und somit in den Genuss der sehr exklusiven Speisen von Chef Julian Slowik braucht es schon ein bisschen was. Geld zum Beispiel und so setzt sich die kleine Gesellschaft, die an dem Dinner teilnimmt, entsprechend zusammen. Mit einer Ausnahme, denn für die kurzfristig eingesprungene Margot ist das Ganze eher wenig nachvollziehbar. Doch hat sie mit dem Rest der Anwesenden gemein, dass der Abend einen bedrohlichen Verlauf nimmt.

Sieht alles chic aus, das Umfeld ist entsprechend und doch steht bei Mark Mylods „The Menu“ nicht die Dekonstruktion einer versnobbten Oberklasse im Zentrum oder dass es hier ein paar offene Rechnungen gibt. Zwar werden diese Themen immer wieder sichtbar gemacht und auch ausformuliert, wenn sich die Gäste in ihrer eigenen vom Boden entkoppelten Sicht suhlen oder sich manche Zusammenhänge ergeben. Im Kern ist das hier aber kein Dreieck der Traurigkeit, viel einfacher und doch nicht weniger wirkungsvoll offenbart sich ein Hintergedanke. Das Essen als Versinnbildlichung ist dabei clever gewählt, schließlich ist der Konsum ja unausweichlich. Also fast, besieht man sich manche Charaktere und stechen Ralph Fiennes und Anya Taylor-Joy aus dem Ensemble heraus, so bleibt „The Menu“ über weite Strecken eine Gesamtleistung der hier aufspielenden Darstellerriege. Diverse Archetypen einer Gesellschaft werden hier durch den Kakao gezogen und hätte manches gerne auch noch schärfer geschrieben ausfallen dürfen, so ist das in der Gesamtheit dennoch gelungen.

Die Regie bleibt unaufgeregt aber effektiv und schafft einen durchgehend guten Fluss. Ballast steht somit nicht auf der Speisekarte, kurzweilig geht das Menü vonstatten und ist eingebettet in eine stilvolle Ausstattung, die dem Szenario die entsprechende Entrücktheit mitgibt und die eigene Lächerlichkeit dabei noch unterstreicht. Natürlich ist das alles in seiner Erzählung artifiziell, vielleicht auch prätentiös. Spaß hatte ich damit aber allemal und für mich macht der Streifen einfach genug richtig, um stets auf einen weiteren Gang zu hoffen.

Was bedeutet alle Perfektion in einer Kunst, wenn keinerlei Freude mehr einfließt? Wenn alles nur noch Erwartung plus Mechanik ist, eine auf die Spitze getriebene Konstruiertheit einer Erfahrung. Mark Mylods Menü macht mit seinen vielen kleinen Portionen tatsächlich satt, ohne dass man sich überfrisst. Und bleibt dabei noch leichte Kost. Zutaten aus Hochglanzhorror, Satire und etwas Witz vermischen sich so zu einem kurzweiligen Trip mit einem ansprechenden Ensemble. Die einfachen Dinge eben.

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