Review

kurz angerissen*

Als würde man einer scheidenden Schulklasse einen Millionenbetrag in die Hand drücken, um für den anstehenden Abi-Ball einen netten Erinnerungsfilm zu machen. Janine und Nicole kümmern sich ums Make-Up, Gerry hält die Kamera und Haffi führt Regie, während Christoph die ganze Nummer im weißen Anzug moderiert. Die gefürchtete Bully-Clique um Basti, Ricky und Chris kann sich in den Nebenrollen ihrer heimlichen Freude an der Travestie hingeben, und am Drehbuch basteln alle mit, die sich freiwillig melden. Lernen und Spaß dabei, ein Abgang mit Herz, die Gruppe ist der Star, das ist hier das Motto.

Ein Ritt durch die Menschheitsgeschichte mit all seinen wechselnden Szenenbildern erfordert einen gewissen Grad an Agilität. Klingt für das starre Korsett des deutschen Filmfördersystems zunächst einmal wie eine spannende Herausforderung, doch am Ende ist „Die Geschichte der Menschheit – leicht gekürzt“ lediglich miefige deutsche Sketch-Tradition mitten aus der Comfort Zone. Selbst an der Chinesischen Mauer regiert die Berliner Schnauze und die ersten Partikel von Leben im Meer waren bereits durchsetzt vom Ruhrpott-Duktus. Und überhaupt führen am Ende garantiert alle Wege des Anthropozän nicht etwa nach Rom, sondern in den Führerbunker. Der Deutsche in all seinen Schattierungen des Bösen und Verblödeten, er ist eben doch der Nabel der Welt, selbst wenn man sich gerade auf der anderen Seite befindet.

Alleine der Aufhänger um eine Gruppe Aliens (typisch deutsch animiert, sprich: wie der Klingelton-Frosch aus der Handywerbung der 00er Jahre), die sich von einem Einstein-Verschnitt auf einer Videodatei die letzten paar Millionen Jahre zusammenfassen lassen, die sie verpasst haben, gerät in seiner Meta-Struktur bodenlos naiv. Was in der ZDF-Sketch-History womöglich in einzelnen Häppchen funktioniert, scheitert hier an seinem notdürftigen Überbau, der nicht gerade den Eindruck macht, das Ganze sei mehr als die Summe seiner Teile.

Positiv sind allenfalls, zumindest gilt das abschnittweise, die Produktionswerte zu erwähnen. Zwar wird man hier an das heillose Durcheinander von „Bullyparade – Der Film“ erinnert, der Redewendungssalat aus der Chicago-Episode ist aber stilvoll angerichtet, die Musical-Nummer an der Guillotine mit Bela B. schwungvoll arrangiert und die moralischen Erörterungen einer Gruppe Nordmänner (und -Frauen) auf einem Hügel ausnahmsweise mal einigermaßen undeutsch.

Wenn man sich aber mal den ganzen Aufbau und den kolportierten Humor betrachtet, hat man das Gefühl, dieser Film sabotiere letztlich bloß sein eigenes Selbstverständnis: Weiterentwickelt hat sich letztlich alles Mögliche, nur der deutsche Film nicht.



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