„Matilda“ zählt zu den letzten Geschichten des walisischen Autors Roald Dahl, der 1990 starb und ein umfangreiches, literarisches Vermächtnis hinterließ. Bereits 2010 wurde das Musical uraufgeführt und Theaterregisseur Matthew Warchus erweist sich als recht versiert mit seiner nahezu kongenialen Umsetzung.
Matilda (Alisha Weir) ist hochbegabt, muss jedoch beim Besuch der neuen Schule Crunchem Hall feststellen, dass die Direktorin Knüppelkuh (Emma Thompson) ein regelrechter Drache ist, die Kinder unterdrückt und sogar foltert. Unterstützung erhält Matilda von der einfühlsamen Lehrerin Honig (Lashana Lynch), um eine Revolte gegen das unbarmherzige Regime anzuzetteln…
Musicals sind immer so eine Sache und wer mit dem theatralisch geträllerten Nummern nicht viel anfangen kann, wird hier bereits mit der ersten Szene abwinken. Die Musik von Tim Minchin durchzieht die rund zwei Stunden und nicht selten entstehen kleinere Längen, da man sich inhaltlich auf der Stelle bewegt. Richtig gut und zuweilen gar mitreißend wird der Stoff, sobald die Songs mit Tanznummern einhergehen, da die Choreographie auf den Punkt ist, Kamera und Schnitt erstklassig liefern und nicht zuletzt die Set Designs durch detailverliebte Gimmicks und einer entsprechenden Farbgebung überzeugen.
Mit der Hauptfigur wird man nicht sogleich warm, da ihr Außenseitertum von Zurückhaltung geprägt ist und Matilda immer dann aufblüht, sobald ihre Fantasie gefragt wird, wie etwa während der Szenen, als sie der Bibliothekarin Phelps (Sindhu Vee) die Geschichte zweier Zirkuskünstler in Etappen erzählt. Erst als die junge Dame aktiver ins Geschehen eingreift und dem ungeliebten Vater einige Retourkutschen liefert, um später die Revolte anzuführen, schlagen sich deutliche Sympathien nieder.
Leichter hat es da die Antagonistin, die von Emma Thompson mit herrlichem Overacting verkörpert wird und bei der die Vergangenheit einer professionellen Hammerwerferin kaum zu übersehen ist. Matildas Eltern, sowie einige Wegbegleiter bleiben indes etwas zu oberflächlich und auch das Schicksal einer verknüpften Vergangenheit hätte man etwas präziser auf den Punkt bringen können. Dennoch liefern die Mimen im Kollektiv eine grundsolide Leistung ab und eine junge Alisha Weir legt mit der Hauptrolle eine ansprechende Präsenz an den Tag.
Während die Geschichte im letzten Drittel ordentlich aufdreht, kleine Actioneinlagen mit passablen FX in Form eines Kettenmonsters überzeugen und sich der Ausgang relativ knallig bunt gestaltet, mangelt es auf musikalischer Ebene an Höhepunkten. Minchins Nummern sind okay und nerven nicht, aber es gibt kein markantes, mitreißendes Thema, wonach sich die Musik letztlich als recht austauschbar erweist. Etwas besser sind da die rar gesäten, reinen Score-Passagen von Christopher Nightingale.
Dennoch kann man mit dem Treiben seinen Spaß haben, denn der Humor kommt nicht zu kurz und zuweilen wird es gar ein wenig grotesk, wenn die Chose bestenfalls in einer Mischung aus Harry Potter und Tim Burton daherkommt. Für die ganz jungen Zuschauer dürften Einschübe wie der „Luftabschneider“ eventuell etwas zu garstig anmuten, dennoch taugt der Stoff durchaus als Familienfilm.
7 von 10