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Fast wäre sie rangmäßig noch weiter in der US-Army aufgestiegen, dann jedoch beschloß Captain J. J. Collins (Elsa Pataky), die damit verbundenen sexuellen Belästigungen öffentlich zu machen, was ihre Ambitionen schlagartig beendete. Immerhin wurde sie nicht degradiert, sondern "nur" zurückversetzt auf einen Außenposten irgendwo auf dem Meer. Die dortige Plattform dient dem Abfangen sowjetischer Atomraketen und wird justament in diesem Augenblick in Alarmbereitschaft versetzt, da die andere derartige Einrichtung gerade ausgefallen ist und das Pentagon den Diebstahl 16 russischer mobiler Atomraketen gemeldet hat. So kann sich die toughe spanischstämmige JJ also aufs Neue bewähren, zumal ein Schurkenkommando bereits an Bord ist und die Besatzung bis auf 3 wackere Verteidiger dezimiert hat. Nachdem einer der 3 sich auch noch als Verräter erwiesen hat, bleiben nur noch der indischstämmige Corporal Rahul Shah (Mayen Mehta) und eben JJ übrig, um eine nukleare Katastrophe zu verhindern - wird es den beiden gelingen, die auf US-amerikanische Großstädte abgefeuerten Atomraketen noch rechtzeitig abzufangen?

Der Versuch, Chris Hemsworths Ehefrau Elsa Pataky zu promoten, ist mit Interceptor leider gründlich in die Hose gegangen: nicht nur, daß das vorhersehbare Drehbuch thematisch uralte Kamellen durchkaut, ist auch in Punkto Dialogregie und Action-Choreographie mit dieser australischen Netflix-Produktion kein Blumentopf zu holen. Langweilige Stereotypen, wo immer man hinschaut: die US-Regierung am Bildschirm, die alles auf JJ setzt, böse Amerikaner, die russische Atomraketen geklaut und auf L.A., NY, Dallas etc. gerichtet haben, sich aber als Patrioten(!) bezeichnen und alles überstrahlend die dunkelhaarige JJ, die trotz üblem Mobbings zuvor noch an das Gute glaubt, ihre Pflicht tut und dabei 2-Meter-Kleiderschränke locker ausknockt - gähn...

Könnte man die sauber computergenerierte Location (wie eine Ölbohrplattform, nur eben mit riesiger Parabolantenne und Raketenwerfern) noch als halbwegs gelungen bezeichnen, gilt dies schon nicht mehr für die Actionszenen, in denen JJ einem Schurken eine Pistole wie ein Messer ins Auge rammt, einen Kung-Fu-Meister locker außer Gefecht setzt oder einarmig Klimmzüge 30 Meter über dem Meeresspiegel veranstaltet - das alles wirkt wenig glaubwürdig, wird aber bierernst dargeboten.  Doch je verbissener JJ als letzte Aufrechte die Vereinigten Staaten verteidigt, desto lächerlicher wird die ganze Chose. Das per Liveschalte übertragene Geschehen aus dem Kommandoraum der einsam im Meer gelegenen Plattform, vorgeblich von Millionen Amerikanern auf Millionen Bildschirmen verfolgt, vermag zu keiner Zeit auch nur irgendeine Spannung zu erzeugen, zu simpel sind die Vorgaben, zu klar erkennbar ist die weibliche Heldenrolle.

Bezüge zum politischen Tagesgeschehen (wie dem sowjetischen Überfall auf die Ukraine) werden klar vermieden: zwar sind es russische Atomraketen, die auch in Russland starten, doch die Übeltäter sind amerikanische Militärs mit ausländerfeindlichen Motiven, die sich allerdings nie wirklich deklarieren (der Name Trump bleibt unausgesprochen). Auch das anfängliche Motiv der nicht mehr still ertragenen sexuellen Belästigung ist so ungeschickt platziert, daß es nur als Anbiederung an die #MeToo-Bewegung gesehen werden kann, zumal es im weiteren Verlauf des Films keine Rolle mehr spielt. Dazu kommen etliche Ungereimtheiten technischer Art, die man einfach als gegeben hinnehmen muß: der radioaktive Fallout durch abgeschossene Atomraketen (im Film überhaupt kein Thema), fehlende Unterstützung durch US-amerikanische Schiffe und U-Boote (angesichts der exponierten Lage der Plattform eigentlich ein Muß) oder auch ein merkwürdiger Selbstversenkungsmechanismus der Station, den man mit ein paar Schaltern wieder aufheben kann. Auch daß die schweren Sicherheitstüren aufgeschweißt werden müssen, statt deren Glasfenster zu durchbrechen, oder die Schaltkreise mit Säure unbrauchbar gemacht werden sollen (statt sie einfach in die Luft zu jagen) zeugt keinesfalls von Realismus. Last but not least die falltürartige Luke in der Kommandostation, die offenbar nur dazu dient, daß ein Schurke dort reinkommt (wie eigentlich?), um 2 Minuten später durch dieselbe wieder entsorgt zu werden.

Sang- und klanglos geht Interceptor unter in der Masse unterdurchschnittlicher Actioner: dank der schwachen Hauptdarstellerin und mangels jeglichen Humors noch nicht einmal nach mehreren Bierchen bedenkenlos konsumierbar - auf dieses müde Käsefilmchen hätte man gut und gerne verzichten können. 3 Punkte.

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