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Ein bestimmtes Thema muss dem griechischen Co-Autor und Regisseur Christos Nikou sprichwörtlich auf den Nägeln gebrannt haben: Lässt sich wahre Liebe wissenschaftlich nachweisen? Was zwischenzeitlich als bissige Groteske durchschimmert, entpuppt sich im Verlauf als Liebesfilm vorhersehbarer Natur.

Viele Paare wenden eine schmerzhafte Methode an, um die Kompatibilität zueinander zu testen: Nach jeweils einem entnommenen Fingernagel in einem Testgerät kann bestimmt werden, ob Menschen füreinander bestimmt sind. Anna (Jessie Buckley) und Ryan (Jeremy Allen White) haben jenen Test bereits vor einigen Jahren erfolgreich absolviert, doch dann lernt Anna während ihrer neuen Tätigkeit in eben so einer Testeinrichtung ihren Kollegen Amir (Riz Ahmed) kennen…

Liebe geht zuweilen durch den Magen und dieser könnte sich ein wenig bei der Vorstellung verkrampfen, wenn ein Fingernagel ohne Betäubung herausgezogen wird. Das ist zwar nie sonderlich explizit bebildert, doch allein die damit verbundenen Schmerzen bereiten Unbehagen. Natürlich ist an der Methodik wenig Empirisches dran, erklärt wird sie überdies auch nicht und so muss man die Tatsache als solche schlicht hinnehmen.

Dass zwischen Anna und Ryan längst Routine eingekehrt ist, offenbaren nur wenige Szenen mit entsprechender Körpersprache und rar gesäten Alltagsdialogen. Ebenso zeichnet sich früh ab, inwieweit Amir diese Beziehung durcheinander wirbeln könnte und so stellt sich im Verlauf unter anderem die Frage, ob man nicht zwei Menschen gleichzeitig lieben kann.
Obgleich die Präsenz der wesentlichen Mimen stark ist und die beiden herausragend performen, bleibt das Liebesgedöns eher überraschungsfrei, wobei man immerhin nie ins Schwülstige abdriftet und angenehm bodenständig bleibt.

Kleine skurrile Höhepunkte bilden indes einige fragwürdige Therapieansätze, um künftige Paare noch vor entsprechendem Test zusammenzuschweißen. Karaoke mit französischen Texten zählt ebenso dazu wie ein gemeinsamer Fallschirmsprung oder das einander Anblicken unter Wasser. Ein paar Seitenhiebe auf konventionelle Paartherapien sind ebenso vorzufinden wie überspitzte Klischees hinsichtlich der Figuren.

Darüber hinaus wollte Nikou das Szenario offenbar zeitlich neutral gestalten, weshalb Computer und Mobiltelefone rein gar keine Rolle spielen, wogegen bestimmte Songs aus den Achtzigern (zwei bekannte von Vince Clarke komponiert) entsprechend Retro anmuten.
Ein kleines Manko bilden hingegen die eher unspektakulären Schauplätze und die Tatsache, dass sich die Erzählung nach hinten raus zuviel Zeit lässt, obgleich die Richtung klar ersichtlich ist.

In die Tiefe geht der Stoff leider zu selten, philosophische Ansätze sind rar gesät, doch aufgrund der sympathischen Figuren, ihrer entsprechenden Chemie und der allgegenwärtigen Menschlichkeit aufgrund der Thematik gestaltet sich die Geschichte weitgehend interessant.
Nichts, was emotional aufwühlt, aber zumindest Empathie für die Beteiligten aufkommen lässt.
6,5 von 10

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