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Emu O’Hara (Julie Condra) wird Zeuge eines Mordes. Killer ist der Freeman (Mark Dacascos), Mitglied eines chinesischen Geheimbundes. Anstatt die Zeugin zu eliminieren, wie es seine Pflicht wäre, verliebt er sich in sie. Damit wird er selbst zum Gejagten...

Christophe Gans, richtig bekannt geworden mit "Pakt der Wölfe" (2001), lieferte hier sein erstes komplettes Werk ab, die Verfilmung eines Mangas. Das gelang ihm außerordentlich gut. "Crying Freeman" ist keineswegs nur ein plumper Actionfilm, sondern besitzt neben zahlreichen gut gemachten Kämpfen auch jede Menge Romantik und Mystik.

Den stillen Sequenzen wie zu Beginn des Films stehen furios inszenierte Actionszenen gegenüber, deren Vorbild John Woo gewesen zu sein scheint. Meist in Zeitlupe choreographiert, werden die Shootouts ausgiebigst zelebriert, was das Herz des Actionfans höher schlagen lässt. So blutig wie in den alten Woo’s geht’s zwar lange nicht zur Sache, aber die Härte rechtfertigt durchaus die 18er Freigabe. Die brachiale Vorgehensweise des Freeman wirkt jedoch zu keiner Zeit selbstzweckhaft sondern erscheint durch die mystische Hintergrundstory zwingend notwendig. Mystik in einem Actionfilm, das klingt sehr komisch, doch Gans gelang dieser Spagat zwischen harten Kämpfen und besinnlichen Momenten grandios.

Die Schauspieler sind ebenfalls sehr gut. Mark Dacascos verzieht zwar kaum eine Mine, doch seine alles beherrschende Ausstrahlung gibt ihm Recht. Nebenbei sind seine Fähigkeiten in Sachen Kampfsport erste Sahne. Ein bisschen zu leiden hat er an der deutschen Synchronstimme, die für meine Begriffe etwas zu sanft gewählt wurde. Wem der Sprecher bekannt vorkommt, es ist der gleiche, der z.B. George Stobbart in dem PC-Adventure "Baphomets Fluch" die Stimme lieh.

Eine große Schwäche besitzt der Film dennoch: Der Mittelteil ist ganz schön langatmig ausgefallen. Wo der Anfang und der Schluss in Sachen Spannung und Action keine Wünsche offen lassen, fällt die Spannungskurve in der Mitte deutlich ab. Da klafft ein großes Handlungsloch, in dem so gut wie gar nichts passiert und das bei mehrmaligem Ansehen durchaus zum einschlafen verleiten kann.

Nichts für ungut, "Crying Freeman" ist dennoch ein rundum unterhaltsames Vergnügen, das sowohl harte Action als auch viel Romantik und Mystik zu bieten hat. Die vielfältige, gute Musik unterstreicht ebenfalls die gelungene Atmosphäre. Der Spannungsbogen sinkt zwar zur Mitte hin deutlich ab, doch der Schluss entschädigt für alles. Dabei sind die Kämpfe zwar immer etwas übertrieben, wirken aber niemals unfreiwillig komisch, sondern spektakulär. Für mich persönlich im Vergleich mit dem bekannteren "Pakt der Wölfe" klarer Sieger. Sehenswert!

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