Mit „Guardians of the Galaxy“ erschuf James Gunn eine besonders beliebte Truppe im MCU, aus deren Mitte sich Groot in seinen verschiedenen Inkarnationen schnell zum Fan-Favoriten mauserte. Kein Wunder, dass Disney dem Baumwesen mit einer Reihe animierter Kurzfilme in Form der Serie „Ich bin Groot“ nochmal eine Extraplattform auf dem Streamingdienst Disney+ verschaffte.
Im Gegensatz zu anderen Serien auf Disney+ sollen allerdings keine Handlungslücken zwischen den Filmen gefüllt werden (wie mit „Wandavision“ oder „The Falcon and the Winter Soldier“) oder neue Figuren aufgebaut werden (wie in „Ms. Marvel“ oder „Moon Knight“), sondern dies ist einfach nur Zusatz-Content für die Fans. Und – so ehrlich muss man sein – natürlich auch noch eine Marketing-Gelegenheit, denn mit dem Konterfei von Baby Groot ließen sich nach „Guardians of the Galaxy 2“ wunderbar T-Shirts, Spielzeuge, Lunchboxen etc. verkaufen. So spielt die Serie um den zweiten Teil herum, wie man an Groots Dasein als Setzling sehen kann. Im ersten Kurzfilm sieht man dann auch unter anderem, wie er den Blumentopf zerstört, in dem er herangewachsen ist, und entdeckt, dass er wieder Beine hat.
Dass das Ganze auf Disney+ kommt, passt – intendiert oder nicht intendiert – dann auch in die Historie des Konzerns. Gewissermaßen kehrt „Ich bin Groot“ zu den Wurzeln von Disney zurück, zu den Kurzfilmen, in denen Mickey, Donald und Co. kleine Abenteuer erlebten oder sich mit den Tücken des Alltags herumschlagen mussten. Bei „Ich bin Groot“ ist dies nicht anders, nur dass dies in der Welt von „Guardians of the Galaxy“ stattfindet. So bleibt trotz des Niedlichkeitsfaktors von Baby Groot immer noch der Anarcho-Geist von Gunns Filmen erhalten, denn der Setzling mag ein Kind sein, aber eines mit Zugang zu Waffen, Sprengstoff und Raumschiffen. Wenn Klein-Groot also mal eine fixe Idee oder einen Tobsuchtsanfall hat, dann kann er all das mit ganz anderen Mitteln ausleben als andere Kinder.
Jeder der von Kirsten Lepore inszenierten Kurzfilme ist ungefähr vier Minuten plus Abspann lang und fokussiert sich auf ein einzelnes Ereignis. Groot will etwas basteln, Groot entdeckt die besonderen Kräfte eines bestimmten Schlamms auf einem Planeten oder Groot baut einen High-Tech-Schneemann, was allerdings in einer kleinen „Terminator“-Hommage endet. Oft trifft Groot auch auf neue Kreaturen im „Guardians of the Galaxy“-Universum, sei es ein Gestaltwandler-Alien, ein Vogelküken, das ihn für seine Mutter hält, oder eine Zivilisation von Klein-Lebewesen. Die Shorts spielen mit den Möglichkeiten des Szenarios, sind so schnell vorbei, dass sie die Geduld nicht überstrapazieren, allerdings auch nichts von Substanz erzählen. Das ist recht witzig, läuft meist auf eine Schlusspointe hinaus, setzt allerdings auch stark auf den Charme seiner Hauptfigur als kleines egozentriertes Wesen, das eigentlich immer zum eigenen Vorteil handelt, mal mit kindlicher Neugier, mal mit rabiaten Weltraum-Glücksritter-Methoden.
Das Animationsdesign fügt sich in jenes der Filme ein, pusht lediglich den Niedlichkeitsfaktor etwas hoch, und kann sich auf den Originalsprecher verlassen: Erneut leiht Vin Diesel dem Baumwesen seine Stimme, so wie er es in der Film-Trilogie, im „Guardians of the Galaxy Holiday Special“ und als Cameo in „Ralph Breaks the Internet“ tat. In zwei Folgen ist Bradley Cooper als Rocket Racoon dabei, Filmreihenschöpfer James Gunn spricht in einer Episode eine High-Tech-Uhr und Jeffrey Wright ist einer Folge als Gastsprecher des Watchers dabei. Dieser fungiert nicht nur als Charakter, sondern auch das Off-Stimme, die Groot für den Auserwählten hält, als dieser einen fallengespickten Tempel in „Indiana Jones“-Tradition betritt.
„Ich bin Groot“ ist ein netter Spaß, eine kleine Alberei. Die Kurzfilm-Serie verweigert sich dem angestrengten Worldbuilding, dem Großen und Ganzen des MCU, ist aber auch nicht mehr als putzige Animations-Comedy, die das Potential der Titelfigur ausschöpft. Das kann man als Merchandise-Grundlage verdammen, das kann man als Geschenk an die Fans feiern, aber „Ich bin Groot“ ist witzig und leicht, wenn auch ohne erzählerische Substanz.