Seit einigen Jahren dominieren rasende Infizierte die Landschaften diverser Zombiestreifen, was besonders durch „28 Days Later“ einen Popularitätsschub erhielt. Auch der uruguayische Regisseur Gustavo Hernández setzt auf jene Spezies, die hier allerdings eher an Gewaltausbrüchen, denn explizitem Menschenfleisch interessiert sind.
Montevideo: Die junge Mutter Iris arbeitet als Nachtwächterin in einem Sportverein und musste für diese Schicht ihre achtjährige Tochter Tata mitnehmen. Als sich eine Person unerlaubt im Gebäude aufhält, denkt Iris noch an einen unerfreulichen Zufall, doch schon bald ist das weitläufige Gelände von tobsüchtigen Irren umgeben…
Tatsächlich handelt es sich weniger um klassische Zombies, sondern um gewalttätige Infizierte, wie die kurze Exposition bei einem älteren Ehepaar verdeutlicht. Der Ursprung der Seuche bleibt völlig unklar und genauso, warum sich manche infizieren und andere komplett verschont bleiben. Das einzig auffällige Merkmal neben markanten Färbungen in den Handinnenflächen ist die Tatsache, dass die Betroffenen nach einem Anfall von Raserei ziemlich genau 32 Sekunden in eine Art Trancezustand verfallen, was auch den Titel erklärt.
Diesen Umstand nutzt Hernández jedoch zu wenig, obgleich eine Passage während des Showdowns jenes Spannungspotenzial deutlich untermauert. Stattdessen setzt er lange Zeit auf die marode Anlage, die im schummerigen Licht diverse Lecks, defekte Leitungen und andere bauliche Defizite offenbart und eine Atmosphäre des schleichenden Verfalls ausdrückt.
Derweil wird man mit dem Gespann der leicht flippigen Mutter und ihrer schüchternen Tochter rasch warm, während Begegnungen mit anderen Flüchtigen eher ambivalent verlaufen, um die stets wiederkehrende Frage nach den wahren Monstern hervorzuheben.
Leider fördert die minimalistische Ausgangslage im weiteren Verlauf wenig Abwechslung zutage. Zwar arbeitet die variable, jedoch nicht zu verspielte Kamera recht effektiv, etwa bei der Begehung der Umkleideräume, doch die Angriffe bleiben rar gesät und vor allem fallen sie auffallend blutarm aus, da diverse Gewalteinlagen fast durchweg ins Off verfrachtet wurden. Das solide Make-up und der Score, der phasenweise ebenfalls an „28 Days Later“ angelehnt ist, sind immerhin auf der Habenseite zu verbuchen und auch die Darsteller performen zumindest zweckdienlich.
Obgleich der Hauptfigur ein beinahe schon obligatorisch wirkendes Trauma angedichtet wurde, geht der Stoff nur allzu selten in die Tiefe. Zwar lässt er in Ansätzen emotionale Passagen zu und überzeugt neben einiger Action auch mit Katz- und Maus-Spielchen, doch das generisch anmutende Treiben unterscheidet sich letztlich kaum von üblichen Zombieeinsätzen. Aufgrund der Atmosphäre und der versierten Inszenierung dennoch ein tauglicher Genrevertreter.
6 von 10