Review

Crossing Guard nahm ich quasi im Vorbeigehen mit, nachdem ich kurz den Klappentext überflogen habe, und eigentlich habe ich nicht mehr erwartet als ein Standard-Rachedrama.
Nach den ersten Auftritten von Jack Nicholson war ich dann allerdings eines Besseren belehrt und buchstäblich in den Bann gezogen.
Nicholson spielt den Juwelier Freddy, dessen Tochter vor einigen Jahren von John überfahren wurde, allerdings nicht aus Absicht, sondern weil er betrunken war.
Dies hörte sich nach einer relativ harmlosen Ausgangssituation an, wenn Freddy nicht eine Vielzahl an Problemen mit sich herumschleppen würde:
Er hat Alkoholprobleme, er hat Bindungsprobleme, er verbringt seine Nächte - offenbar neben seinem Beruf - in Striplokalen, er zeigt Ansätze von Autismus, und:
er ist besessen von der Idee, John zur Strecke zu bringen und den Tod seiner Tochter zu rächen.

Ich weiß nicht, ob Nicholson in einem Nervenkrankenhaus Studien betrieben hat oder wie er sich auf seine Soziopathen-Rollen vorbereitet, die Verkörperung des Freddy Gale kann ich jedenfalls nur als grandios bezeichnen; seine cholerischen Anfälle und Heulkrämpfe werden zwischendurch immer wieder mit skurrilen Einlagen und Schenkelklopfern aufgelockert, die kurzzeitig vergessen lassen, daß man es eigentlich mit einem eher ernsten Thema zu tun hat.
Bei Freddys Widerpart John, der (hervorragend) durch David Morse verkörpert wird, handelt es sich dagegen um einen schwermütigen, sanften Typen, der nach seiner Entlassung aus der Haft immer noch mit dem Unfall kämpft, weshalb er sich auch einer Selbsthilfegruppe angeschlossen hat.

Es prallen hier also zwei Welten aufeinander, die jeweils unterschiedlich mit Schmerz und seinen Folgen umgehen, und langsam und über allerlei Umwege kumuliert die Auseinandersetzung im finalen Showdown, der sehr trickreich inszeniert wird und am Schluß auch noch mit einer großen
Überraschung aufwartet...

Wer ein spannungsreiches Drama ohne großes Geballere sucht und Nicholsons Grimassiererei mag, darf m.E. bedenkenlos zugreifen.

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