Review

Da romantische Komödien immer noch den Großteil an Weihnachtsfilmen ausmachen, sind Alternativen, mal abgesehen von Horror-Versionen und Feiertagsterror eher rar gesät. Einer derer bildet die schwedische Geschichte, die bereits 1965 als Buch erschien und zehn Jahre später als Zeichentrick-Kurzfilm von Tage Danielsson umgesetzt wurde, dem wir immerhin die geniale Adaption von „Ronja Räubertochter“ zu verdanken haben. Die eigentliche Botschaft in der Langversion von Regisseur Hannes Holm geht indes ein wenig unter.

Ende der 1930er in Stockholm: Der 14jährige Karl-Bartil ist ein Fan von Robin Hood, während er als Sohn eines Kaufhausdirektors in einer reichen Familie lebt und in der Vorweihnachtszeit beim Sortieren im Paketservice aushilft. Eines Tages lernt er die Diebin Vera kennen, die in einem Waisenhaus lebt und sich um ihre kranke Schwester kümmert. An Heiligabend kommt er auf die Idee, wie sein Vorbild von den Reichen zu nehmen und den Armen zu geben…

Wann genau die Erzählung angesiedelt ist, kann nur erahnt werden. Zwar ist vom Krieg die Rede, doch „Vom Winde verweht“ ist soeben erst in die Kinos gekommen, während sich die Reichen als erste einen Fernseher leisten können. Die Ausstattung ist rundum gelungen, nie zu bunt und doch in den wesentlichen Momenten leicht feierlich ausgefallen. Die verschneiten Straßen Stockholms weisen einen leicht urigen Charakter auf, der besonders in den so genannten Armenvierteln zur Geltung kommt.

Mit der Hauptfigur wird man derweil nur bedingt warm, da er oft ein wenig zu passiv rüberkommt. Zwar entwickelt er im Verteilzentrum kurz das Prinzip der Postleitzahlen und verteilt als Weihnachtsmann verkleidet Geschenke an Bedürftige, doch innerhalb der Familienkonstellation bleibt er weitgehend im Hintergrund. Der parallele Handlungsstrang im Waisenhaus kommt zwar nicht ohne einige Sentimentalitäten rüber, doch dieser Strang läuft insgesamt runder ab, zumal er eine in sich abgeschlossene Geschichte beinhaltet.

Aufheiterungen finden sich zwar einige am Rande, wie etwa der Running Gag der stets falsch übersetzten Sätze der französisch stammelnden Angestellten, doch in Sachen Situationskomik wäre noch deutlich Luft nach oben gewesen. Die Spielfreude der erwachsenen Mimen kaschiert das zwar ein wenig, doch meist mutet der Humor recht altbacken und harmlos an.
Eine Tatsache, die das komplette Werk umschließt, denn auf Dauer mangelt es deutlich an Esprit und Schwung.

Insofern werden Freunde von Weihnachtsfilmen in Ansätzen fündig, da die Atmosphäre aufgrund angenehm zurückhaltend eingesetzter Musik und der sorgfältigen Requisite zündet, wogegen die Geschichte stellenweise etwas herumeiert. Die Aussage des Stückes kommt immerhin an, doch den Weg dorthin hätte man etwas kürzer und gleichermaßen abwechslungsreicher gestalten können.
6 von 10

Details
Ähnliche Filme