"I’d say the hardest period of shooting was, essentially, the first week because we shot the third act in the first week. The third act is where a giant chunk of the action happens. It’s 15 minutes straight, essentially, of action sequences."
~ Harry Kirby
Abgesehen vom (irgendwie geschasst wirkenden und auf das Abstellgleis gesetzten Jesse V. Johnson, 'vorher' scheinbar fester Partner von Scott Adkins) Regisseur vom gleichen Drehteam gefertigte und auch direkte Fortsetzung von Accident Man (2018), hier gestemmt durch das debütierende (vom Doctor Strange Dreh miteinander bekannt gemachten) Brüderpaar Kirby, die sich erneut und allgemein gesehen auch mit Erfolg eine weitere, diesmal lockere Bearbeitung der Geschichten um den “Stylophile and Professional Assassin“ gemacht haben. Einer von Pat Mills entwickelten, und in Zusammenarbeit mit hauptsächlich Tony Skinner beim kurzlebigen “Toxic!“ ursprünglich ab 1991 veröffentlichten Reihe um einen Auftragskiller mit besonderen Methoden, politisch unkorrekt, über den gehässigen Zynismus, den schwarzen Humor, auch die Parodie aufgelockertes Produkt der eher nischenhaften Konsum- und Unterhaltungsindustrie; Accident Man: Hitman's Holiday, buntes B-Picture mit kleinem Budget und mehr Ideen:
Nach den Geschehnissen in London und auch auf der Flucht vor seinem bisherigen Auftraggeber Big Ray [ Ray Stevenson ] hat sich Mike Fallon [ Scott Adkins ] derzeit auf Malta zurückgezogen, um dort weiterhin seinen bisherigen Job, das Tarnen von Auftragsmorden als Unfällen weiterzuführen. Eines Tages rettet er vor Ort zufällig seinen früheren Weggefährten Finicky Fred [ Perry Benson ] das Leben, für den Moment zumindest, wird Fred doch nur wenig später von der Gangsterbraut Mrs. Zuuzer [ Flaminia Cinque ] als Geisel genommen, um Fallon für einen ganz speziellen Auftrag zu engagieren. Auf ihren Sohn Dante Zuuzer [ George Fouracres ] wurde ein millionenschweres Kopfgeld ausgesetzt, was eine ganze Schar von Topkillern wie Oyumi [ Andreas Nguyen ], Silas [ Peter Lee Thomas ], Poco The Killer Clown [ Beau Fowler ], Yendi [ Faisal Mohammed ] und Freya [ Zara Phythian ] auf den eher nichtsnutzigen Dante ansetzt. Fallon, der für das Leben von Fred den Job des Leibwächter übernehmen soll, benötigt bald die Hilfe seiner 'Assistentin' Wong Siu-ling [ Sarah Chang ].
Raus aus London und rein in den Urlaub, vom Regen erst in die Sonne, dann in die Traufe, einleitend mit Voice Over, mit einer Vorausschau, sprich auch mit einer Rückblende gestartet, die Erzählung von hinten und von außerhalb aufgerollt, das Bisherige dargereicht, auf das Kommende gewartet. Malta ist der Schauplatz nun, geografisch günstig gelegen, nicht das reichste Land der Welt und nicht der hauptsächliche touristische Knotenpunkt, keine Türkei und kein Griechenland, aber immer noch mit Sonne und Meer und immer noch zum Verweilen und Ausruhen einladend, und 'great for a bit of the old soul searching.' Die ersten Szenen sind eher schlecht, sind laut und drüber, die Effekte mäßig bis bescheiden, die Andeutung einer späteren Kampfszene hektisch und verwackelt, ein dumpfes Entertainment. Eine zweite (richtige) Actioneinlage folgt zum Glück schnell und bald, mit einer Art weiblichen Cato (noch der beste Zusatz und ein richtiger Szenendieb), es gibt zwei schöne Glasstunts, Stürze in die Tische, die Verwüstung eines Apartments.
"And I thought we agreed, right, no nut shots. Do you remember that? Well, what did you do? You tried to put them up into orbit."
Mehr von dem gleichen wie zuvor demnach, könnte man meinen, aber in anderer Aufmachung, differenzierter Verortung, mit alten Weggefährten und neuen Begleitern. Eine Actionkomödie mit auch verbaler, nur nicht ausgearbeiteter Gewichtung, mit Akzent und mancherlei Kalauern; der Hauptdarsteller, welcher schon den ersten Film als Verwirklichung eines Jugendtraumes und Herzensangelegenheit mit persönlich optioniert, initiiert, auch finanziell zu Teilen investiert hat, fühlt sich erneut sichtlich wohl in der Rolle und der (mit sandgelben Panoramen eingefangenen) Umgebung, die Inszenierung hat erst eine gewisse Leichtigkeit und Lockigkeit, zu Beginn und dies für die erste halbe Stunde sicherlich auch eine gewisse Beliebigkeit, es gibt etwas Einleitung, etwas Rückschau und die Nachwehen davon, es gibt einige grafische Todesszenen, aber allesamt zur Belustigung. Die Drehzeit ist mit 22 Tagen nicht üppig (Nummer Eins hatte knapp einen Monat), aber durchaus höher als derzeit üblich im DtV Genre, die hauptsächlich Beteiligten des Geschehens eher Leute von hinter den Kulissen, vom Effekte-, dem Choreografie- oder gleich dem Stuntteam; ein Konsortium verschiedener Erfahrungen und gleichen Milieus, die sich für eine Sache zusammenschließen und gemeinsam und vereint in ihren Kräften und mit vielleicht mehr Wollen als Können an die Arbeit gehen.
Wenn die Zeichen auf Sturm stehen und sich die bisherige Stellenbeschreibung vom Beseitigen von 'Problemen' geändert hat zum Beschützen von Personen, wird die ganze Angelegenheit auch dringlicher und schneller, 'Cause there's a proper game on'. Im Vergleich zum Vorgänger schwelgt man hier aber mehr dem Deppentum, es gibt im Grunde zwei Sidekicks, die eher die niederen bis laut-nervenden Gags hineinbringen, auch gross-out Humor, auch Toilettenszenen inklusive Abführmitteln und dem Wühlen im eigenen Stuhlgang. Da war der Erstling cleverer und pointierter. Hier ist man dem Niveau gegenüber so schmerzempfindlich wie Poco der Clown, also gar nicht. Außerdem ist hier die Kameraarbeit deutlich engagierter, was sich zuweilen zum Nachteil auswirkt, die Bildgestaltung bewegt sich mit den Personen mit, statt ihnen selber die Bewegung zuzugestehen und diese bloß einzufangen. Kampfszenen wie folgend eine ruppige (mit mäßigen, allerdings tatsächlich an einen Comic erinnernden Bluteffekten umgesetzte) Auseinandersetzung in einem Nachtclub und weiterhin ein blitzschneller Messerkampf in der Restaurantküche sind noch übersichtlich genug festgehalten, hätten neben dem strammen Schnitt aber auf ein Mitgehen der Kamera bei den jeweiligen Arm- und Beinformationen verzichten und diese einfach in sich ruhend verfolgen können; eine unnötige Agilität, die das frühere trockene Geschehen angesichts der deutlichen Fähigkeiten der Kombattanten nicht noch nötig hatte: Die meisten der 'normalen' Zweikämpfe, also etwa drei, vier, fünf Actionszenen sind ziemlich de luxe und für Fans ein Hochgenuss.