In NOPE, dem dritten Film von Jordan Peele, dreht sich alles um die Geschwister OJ (Daniel Kaluuya) und Emerald Haywood (Keke Palmer), die nach dem plötzlichen und mysteriösen Tod ihres Vaters die Pferderanch der Familie übernehmen. Die Ranch beliefert Filmsets mit trainierten Pferden. Doch schnell merken die beiden, dass etwas Seltsames am Himmel vorgeht: Ein unerklärliches Phänomen – zunächst als UFO gedeutet – verschluckt Lebewesen, sendet elektromagnetische Impulse aus und verhält sich zunehmend aggressiv. OJ und Emerald setzen alles daran, dieses „Wesen“ mit Kameras zu filmen, um es als erste der Weltöffentlichkeit zu beweisen und damit „den perfekten Schuss“ zu landen.
Parallel erzählt der Film die Geschichte von Ricky „Jupe“ Park (Steven Yeun), einem ehemaligen Kinderstar, der heute einen kleinen Western-Freizeitpark betreibt. Jupe war als Kind Augenzeuge eines traumatischen Ereignisses: Bei einer TV-Sitcom flippte ein Schimpanse am Set völlig aus und tötete mehrere Personen – eine Szene, die direkt am Anfang als verstörende Rückblende im Film verarbeitet wird. Jupe versucht später, das Himmelswesen ebenfalls für seine Zwecke zu nutzen, indem er es vor Publikum spektakulär auftreten lässt – was katastrophal endet.
Kritik & Analyse
Jordan Peele liefert mit NOPE einen visuell starken, streckenweise sehr ruhig erzählten Horror-Mystery-Film, der mit großem handwerklichem Können gemacht ist. Inszenatorisch gibt es wenig zu bemängeln: Kamera, Sounddesign und Effekte sind auf höchstem Niveau. Besonders das Design des außerirdischen Wesens und dessen Bewegungsmuster wirken eindringlich und originell.
Der Film verläuft jedoch in zwei parallelen Erzählsträngen, deren Verbindung untereinander fragwürdig bleibt. Während die Geschichte der Geschwister Haywood einen klaren Spannungsbogen aufbaut, wirkt die Nebenhandlung rund um Jupe und seine Kindheitserfahrungen mit dem ausrastenden Affen merkwürdig losgelöst. Zwar ist die Szene schockierend und atmosphärisch stark – ihre Relevanz für den Rest der Handlung bleibt allerdings völlig unklar. Sie scheint mehr symbolisch gemeint zu sein, trägt aber inhaltlich wenig zur eigentlichen UFO-Story bei. Dasselbe gilt für Jupe selbst: Seine Figur wirkt letztlich verzichtbar, weil ihre Funktion für die Geschichte – außer als Beispiel für menschlichen Spektakelwahn – nicht wirklich ausgearbeitet wird.
Man merkt dem Film an, dass Peele hier viel Symbolik und Themen wie Mediengier, Trauma und das menschliche Streben nach Kontrolle über das Unkontrollierbare einbauen wollte. Allerdings überlädt er damit seinen Film stellenweise und lässt zu viel Interpretationsspielraum offen, ohne die losen Enden sinnvoll zu verknüpfen. Gerade Zuschauer, die einen klar strukturierten Mystery- oder Alien-Film erwarten, könnten hier enttäuscht werden.
Fazit
Trotz gewisser Längen und überflüssiger Nebenhandlungen ist NOPE der bislang stärkste Film von Jordan Peele. Er ist mutig, originell, visuell beeindruckend und enthält einige wirklich starke Szenen. Aber die übertriebene Mehrdeutigkeit, unnötige Symbolik und ein Nebenschauplatz (inkl. Affenszene), der mehr Verwirrung stiftet als zur Geschichte beiträgt, trüben das Gesamtbild etwas.