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Neben Piranhas und Alligatoren sind es nach wie vor Haie, die im feuchten Tierhorrorbereich den Überlebenskampf bestimmen. Der australische Regisseur Andrew Traucki benötigte satte zwölf Jahre für seine Fortsetzung, welche inhaltlich jedoch nicht an „The Reef – Schwimm um dein Leben“ anknüpft.

Neun Monate nach dem gewaltsamen Tod ihrer Schwester zieht es die Taucherin Nic, ihre Schwester Annie und zwei weitere Freundinnen wieder ans Meer zum Tauchen. Vor einer Insel werden ihre Kanus von einem Hai attackiert, während ein Mädchen vor der Küste verletzt wird. Um Hilfe zu holen, versuchen die vier die Nachbarinsel zu erreichen…

Der Geschichte wird eine eher ungewöhnliche Tragödie voran geschickt, denn ein Mord in einer Badewanne hat bis auf das Element des Wassers wenig mit den späteren Haiangriffen gemein. Er dient jedoch als Grundlage für ein Trauma, wobei einige Inserts Momente bebildern, die Nic gar nicht wahrgenommen haben kann. Da vermeintliche Heldinnen jedoch oftmals einen inneren Schweinehund zu überwinden haben, wodurch auch feststeht, wer nicht als erstes zu Fischfutter mutiert, nimmt man diese Konstruktion zunächst stillschweigend zur Kenntnis.

Derweil nutzt Traucki die bekannten Elemente innerhalb eines eher eingeschränkten Handlungsradius recht geschickt aus, was sich primär durch eine versierte Kamera auszeichnet. Dadurch spielt er mit der latenten Ungewissheit, wo sich die Bedrohung gerade befindet, denn die markante Flosse ist nur hin und wieder zu sehen, Blicke konzentrieren sich auf Bewegungen, Strömungen im Wasser und auf Veränderungen um die Boote herum.
Selbstverständlich landet immer mal wieder jemand im Wasser, was die Spannungskurve ebenso regelmäßig nach oben treibt.

Die Darstellerinnen performen ganz okay und obgleich ihnen mimisch nicht allzu viel abverlangt wird, ist physisch hin und wieder eine kleine Kraftanstrengung nötig, etwa, um auf ein umgekipptes Kanu zu klettern oder unter Wasser mit einem der wenigen Hilfsmittel zu hantieren. Neben der strahlend exotischen Kulisse ist auch der Score positiv zu erwähnen, denn er ist exakt auf die jeweiligen Attacken zugeschnitten und suggeriert gekonnt sich anbahnende Bedrohungen ohne übers Ziel hinauszuschießen.

Natürlich liefert eine Geschichte mehr Abwechslung, wenn wie in Spielbergs Klassiker gleich eine ganze Küstenregion nebst zahlreichen Nebenfiguren bedroht wird. Doch innerhalb der überschaubaren Konstellation funktioniert der Horror ganz passabel und obgleich überraschende Wendungen komplett ausbleiben, hält der Überlebenskampf ordentlich bei Laune. Wer keine gravierenden Abweichungen der allseits bekannten Genrekonventionen sucht, wird zumindest solide bedient.
6 von 10

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