Spannung durch einen Mangel an Informationen zu erzeugen, kann mit einer Exposition durchaus gelingen. So stürzt bei vorliegendem argentinischen Thriller eine der Hauptfiguren in den Tod und erst gegen Ende wird diese Handlungslücke geschlossen. Allerdings werden andere Punkte der Interpretationsfreude des Zuschauers überlassen.
Als Schreibkraft Luciana (Macarena Achaga) von dem berühmten Schriftsteller Kloster (Diego Peretti) während der Arbeit sexuell bedrängt wird, kündigt sie umgehend und geht den Vorfall per Anwältin an. Im Lauf der kommenden Jahre sterben Menschen aus Lucianas Familie auf mysteriöse Weise, was sie stets mit Kloster in Verbindung bringt. Mithilfe des Journalisten Esteban (Juan Minujin) will sie dies beweisen…
Die Handlung wechselt vor allem im ersten Teil häufig zwischen den Zeitebenen in einer Spanne von mehreren Jahren. Der oben erwähnte, tödliche Fall entspricht der Gegenwart, die sexuelle Bedrängnis in Form eines Kusses fand vor rund 12 Jahren statt. Allerdings erwähnt Luciana recht früh, wer noch von ihrer Familie am Leben ist, was weiteren Rückblenden die Spannung nimmt.
Eventuell wäre eine nahezu chronologische Erzählweise fürs Dramaturgische besser gewesen, zumal die Passagen mit dem Journalisten, der ein klischeemäßiger Trinker ist, innerhalb des ohnehin schon gemäßigten Tempos eher Leerlauf erzeugen, anstatt die Recherchen voranzutreiben. Deutlich besser wird die Psyche Lucianas angegangen, denn schließlich stellt sich die Frage, ob so etwas wie göttliche Gerechtigkeit, menschliche Rache oder Paranoia im Spiel ist.
Entsprechend beruht der Stoff primär auf Vermutungen, Annahmen und Spekulationen, wodurch der Begriff des Zufalls eine nicht unerhebliche Rolle spielt. Stellvertretend hierfür wird der Münzwurf mit der 50:50-Wahrscheinlichkeit angeführt, der, zigfach ausgeführt auch mal reihenweise nur eine Seite hervorbringen kann.
Ein wenig konkreter wird der Stoff zum Finale, wobei die Auflösung und vor allem die letzten Einstellungen nicht jedem zusagen dürften.
Regisseur Sebastián Schindel bleibt nach seinem eher durchschnittlichen Krimi „Verbrechen verbindet“ in eben jenen Gefilden hängen. Die Inszenierung gestaltet sich unauffällig, obgleich auffallend schlechtes Wetter zur bedrückenden Atmosphäre beiträgt und die finstere Präsenz von Diego Peretti in dieselbe Kerbe schlägt. Doch das Mitfiebern hält sich in Grenzen und eine Gefühl von Zufriedenheit hinterlässt der Streifen nicht wirklich.
5,5 von 10