Unter der Woche geht der spanische Staplerfahrer Rafa (Àlex Monner) einer wenig spannenden Tätigkeit nach, doch am Wochenende legt der begeisterte Motorradfahrer seine Lederkluft an und nimmt an Rennen rund um Barcelona teil - das Talent des Endzwanzigers fällt auch einem privaten Rennstall auf, der dem hoffnungsvollen Amateur die Chance auf eine Profikarriere bietet. Rafa ist natürlich sofort Feuer und Flamme, doch ausgerechnet jetzt drücken ihn private Probleme: Natalia (Begoña Vargas), die Mutter seines Sohnes, von der er getrennt lebt, hat sich mit den falschen Leuten eingelassen. Um einen finanziellen Engpass zu überbrücken, hatte sie Stoff in ihrer Wohnung versteckt, der ihr geklaut wurde - deren Besitzer setzen sie nun massiv unter Druck, die verlorenen ca. 200.000 € innerhalb kürzester Zeit aufzutreiben, sonst würde sie "an die Araber" verkauft.
Rafa, der Angst um seinen Sohn hat und gerne wieder mit Natalia zusammenkommen möchte, versucht mit den Gangstern einen Deal auszuhandeln, scheitert jedoch zunächst. Doch da sich seine Fahrkünste auf dem Zweirad herumgesprochen haben, machen ihm die Drogendealer den Vorschlag, für 2 Monate als Kurier für sie zu arbeiten: mehrmals pro Woche, immer nachts, muß er nach Marseille fahren, dort eine Tasche in Empfang nehmen und diese dann nach Barcelona bringen - eine gefährliche Aufgabe, fällt er doch bald schon der Autobahnpolizei auf und muß dieser in halsbrecherischer Manier entkommen.
Unter dem Druck dieser "Nebentätigkeit" vernachlässigt Rafa schließlich seine Rennfahrerkarriere und kommt auch nicht mehr den Anforderungen seines Brotberufs nach, doch Natalia, die zur Sicherheit jetzt wieder bei ihm wohnt und nichts von den nächtlichen Kurierfahrten ahnt, soll sich keine Sorgen machen, denn bald sind die 2 Monate geschafft. Doch für den langsam an seine physischen Grenzen gehenden Rafa erweist sich diese Vereinbarung bald als Trugschluß...
Wem der Plot dieser neuen spanischen Netflix-Produktion irgendwie bekannt vorkommt, mag sich in erster Linie an den französischen Actioner Burn Out erinnert fühlen, und tatsächlich stellt der 2022er Centauro nichts anderes als ein Remake des 2018er Netflix-Streifens dar. Statt in Frankreich betätigt sich der Drogenkurier wider Willen jetzt eben ein paar hundert Kilometer weiter südlich. Gleich geblieben sind die kaum verhandene Figurenzeichnung (Rafa ist ein stiller, gutmütiger Typ mit hohem Identifikationspotential, seine Freundin eine hübsche Darstellerin und die Gangster grobschlächtige Killer, mit denen nicht zu spaßen ist) und der Fokus auf heiße Zweiradaction, wobei auch die spanische Variante sich ausreichend Zeit nimmt, die heißen Boliden auf der Piste zu verfolgen, sei es beim Training, bei Rennen oder bei den nächtlichen Autobahnrasereien.
Irgendwann hat Rafa dann aber die Faxen dicke, und da er sich zurecht betrogen fühlt, versucht er den Spieß umzudrehen, was in ein erwartbar fulminantes Finale mündet - nichts Außergewöhnliches also. Im Hintergrund des Films sind ab und zu Unabhängigkeitsdemonstrationen zu sehen, die als willkommene stock footage dienen, mit der Story aber nichts zu tun haben. So vergeht dann auch dieses Remake ohne großen Eindruck zu hinterlassen, wobei die spanische Variante auch dank des Scores und diverser Drohneneinstellungen noch einen Tick stylischer rüberkommt als der 2018er Burn Out: immerhin nett anzusehen, die Sinnhaftigkeit eines Remakes nach nur 3 Jahren sollte man allerdings lieber nicht hinterfragen. 6 Punkte.