Bildgewaltiges Epos und sicherlich großes Kino, aber leider auch etwas langatmig und ein bisschen unspektakulär.
T. E. Lawrence (Peter O’Toole) ist ein britischer Offizier in Kairo während des ersten Weltkrieges. Da man sich auf die Kämpfe gegen die Deutschen fixiert, schenkt kaum jemand dem Kampf gegen die Türken Beachtung. Lawrence schafft es jedoch mit einigem Ehrgeiz, dass man ihn nach Arabien entsendet, wo er die Stämme zum Kampf gegen die Türken aufrufen will, indem er ihnen britische Unterstützung anbietet. Gepaart mit der Eingangssequenz, die Tod Lawrence’ und posthume Kommentare seiner Kameraden zeigt, ergibt sich recht schnell ein interessantes Bild des Titelhelden.
Lawrence reitet mit einem einheimischen Führer los, um den Stammesherrscher Prinz Feisal (Alec Guiness) zu treffen und mit diesem zu verhandeln. Allerdings lernt Lawrence recht schnell, dass die arabische Lebensweise eine ganz eigene ist. So wird z.B. sein Führer von Sherif Ali ibn el Kharish (Omar Sharif) erschossen, als dieser ungefragt aus dem Brunnen von dessen Stamm trinkt. Das Aufeinandertreffen der Kulturen wird in „Lawrence von Arabien“ alles in allem erfrischend wertneutral und mit einigem Respekt gezeigt.
Bei Prinz Feisal angekommen, trifft Lawrence auch Sherif wieder, gegen den er nach dem Mord an seinem Führer eine Abneigung hegt. Entgegen dem Willen seiner Vorgesetzten überredet Lawrence den Prinzen schließlich ihm einige Männer zu einem mutigen Vorstoß mitzugeben, da die anderen Pläne von Briten und Arabern über ein weiteres Vorgehen sich nicht decken. Doch dies ist erst der Beginn eines gewaltigen Werdeganges, in dem sich Lawrence immer mehr mit den Arabern und vor allem Sherif verbrüdert...
Die Story von „Lawrence von Arabien“ ist alles in allem wirklich sehr episch und lässt sich ausreichend Zeit mit der Erzählung, aber dieses recht gemächliche Tempo ist alles andere als störend. Die Spannung könnte zwar etwas höher sein, aber dies verzeiht man dem Film gerne, wie auch die Tatsache, dass die Wendungen der Geschichte oft nicht wirklich überraschen. Leider krankt die Erzählstruktur ein wenig an den öfter vorkommenden Zeitsprüngen in der Handlung, die man nicht immer sofort erkennt.
Ebenfalls recht episch ist die Figurenzeichnung geraten, wobei das Porträt von Lawrence sich sowohl mit dessen Stärken als auch Schwächen beschäftigt. Leider sind einige Schlüsselereignisse etwas zu wenig ausgearbeitet, um jeden Sinneswandel zu erklären (z.B. die Folter durch die Türken). Dennoch kann man sich gut in die Charaktere eindecken, auch wenn der Film nicht ganz die Wucht anderer Epen wie z.B. „Ben Hur“ dabei entfaltet und den Zuschauer nicht ganz so in seinen Bann zieht wie die besten Filme des Genres.
Wirklich Kritikpunkte sind an sich die gelegentlichen Längen, die immer wieder mal auftreten; vor allem gegen Ende des Films zieht sich „Lawrence von Arabien“ etwas. Hier kann die Atmosphäre des Films die gezogenen Szenen nicht immer auffangen, da der Film recht unspektakulär daherkommt. Viele der Kämpfe werden gar nicht gezeigt und wenn, dann meist eher kurze Ausschnitte, was im Gegensatz zu vielen anderen Epen steht. Dies ist sicherlich auch ein interessanter Weg, dennoch hätte man mit mehr Schlachtszenen wohl besser entgegengewirkt, zumal die vorhandenen Szenen ziemlich gut inszeniert sind (z.B. der Zugüberfall).
Peter O’Toole spielt die Titelrolle wirklich sehr gut und überzeugt auf ganzer Linie, wird jedoch von Omar Sharif und Anthony Quinn an die Wand gespielt, die absolut brillante Leistungen erbringen. Auch die sonstigen Darsteller wie Alec Guiness oder Jack Hawkins spielen durch die Bank weg auf sehr hohem darstellerischen Niveau.
So bleibt „Lawrence von Arabien“ ein sehr gut gemachter Klassiker, der jedoch inhaltliche Längen aufweist und so nicht die Kraft anderer Epen erreicht.