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„Manchmal komme ich mir schon blöd vor bei „Hossa, Hossa““.
Ausgerechnet seinen größten musikalischen Erfolg „Fiesta Mexicana“ von 1972 wollte Rex Gildo eigentlich nicht aufnehmen und es war beileibe nicht das einzige, was er in der Film – und Schlagerwelt der deutschen Nachkriegszeit nicht wollte.

Der 1936 als Ludwig Franz Hirtreiter geborene Rex Gildo war einer von vielen, die mit einem Hochglanzimage in einer Scheinwelt lebten. Obgleich er über Jahrzehnte mit seinem Mentor und Manager Fred Miekley unter einem Dach lebte, wurde er in Filmen oft an der Seite von Conny Froboess platziert, während er mit Gitte Hænning in der Schlagerwelt ein Paar bildete.
Rex Gildo war der ewige Sonnyboy mit den dichten dunklen Haaren und den strahlend weißen Zähnen, was ihn spätestens Ende der Achtziger nach dem Tod von Miekley zum Verhängnis wurde, denn er kämpfte neben den Problemen des Alterns auch mit Depressionen, Tabletten – und Alkoholsucht, was schließlich 1999 mit dem Suizid in Form eines Fenstersprungs endete.

Regisseur Rosa von Praunheim, maßgeblicher Wegbereiter der Schwulenbewegung, ist vielleicht nicht unbedingt ein ausgewiesener Fachmann der Schlagerwelt, doch er kennt sich ausgezeichnet hinter den Kulissen aus. Spätestens Anfang der 90er, als er einige prominente Größen des deutschen Fernsehgeschäfts zwangsoutete, avancierte von Praunheim zum Enfant terrible, bei dem man den Eindruck erlangen konnte, dass er sämtliche Heteros missionieren wollte. Davon bleibt in dem semi-dokumentarischen Drama des nunmehr 80jährigen nicht mehr viel übrig, obgleich er es nicht leid wird, seinen maßgeblichen Einfluss in den gesellschaftlichen Bewegungen vergangener Dekaden am Rande noch einmal hervorzuheben.

Ansonsten nähert sich von Praunheim respektvoll dem Sänger und Schauspieler, dessen weibliche Fans noch heute an das Image des Frauenschwarms glauben, was hier in Form von drei älteren Grazien auch mit Durchbrechen der Vierten Wand bei einer Filmszene aufs Korn genommen wird. Im Zweifel sind die Frauen Schuld, - war ja bei Roy Black genauso.
Jene Spielszenen, die mit den Mimen Ben Becker als Mentor und Kilian Berger als jungen Rex angereichert werden, sind bewusst campy gehalten, was auf Dauer reichlich unbeholfen bis peinlich anmutet und überdies kaum Informatives vermittelt.

Deutlich interessanter muten Aussagen von Zeitzeugen wie Conny Froboess, Costa Cordalis, Gitte Hænning oder auch Vera Tschechowa an, welche kollektiv mindestens einen deutlichen Verdacht hatten, dass Gildo homosexuell sei. Hierdurch ergibt sich gleichzeitig ein chronologisch angelegter Werdegang, angereichert mit einigen Auftritten wie der ZDF-Hitparade oder „Disco, Disco“, bis hin zum bemitleidenswerten Erscheinen beim Jubiläum eines Möbelhauses, wo es mit Gildo bereits deutlich bergab ging.

Obgleich es das Steckenpferd von Rosa von Praunheim ist, - es geht im Kern nicht so sehr um die sexuelle Orientierung des Künstlers Rex Gildo, sondern vielmehr um das gesamte Korsett, in welches er von Beginn an geschnürt wurde und das ihm mit zunehmendem Alter die Luft abschnitt. Die damit verbundene Tragödie enthält dennoch einige aufheiternde Momente, wogegen sich die nachgespielten Szenen mehrheitlich auf dem Niveau eines Laientheaters bewegen und wenig Freude bereiten. Mit reiner Konzentration auf Zeitzeugenaussagen und Auftritten nebst Backstage wäre der Stoff womöglich unterhaltsamer ausgefallen, aber dann wäre es auch kein waschechter von Praunheim.
6 von 10

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