Review

Sonnige Miene zum traurigen Spiel

Männer und die Traurigkeit, mein Vater und ich, mit „Aftersun“ nimmt man zu sich ein gleichzeitig wundervolles wie seelisch zerstörerisches Gemisch.

All-Inclusive, Coming-of-Age und ein unvergesslicher Sommer, doch hinter diesem Wetter liegt ein echter und ewiger Bummer.

Mescal spielt stark, das junge Mädchen ebenso, trotz seiner Ruhe und Unaufdringlichkeit will man alles aufsaugen, nichts verpassen oder ohne Pause zu drücken auf'n Klo.

Das ist süß, das hat Tiefe, das hat Trauer und Kummer, das ist alles andere als eine schnelle oder oberflächliche Nummer.

Es sind die kleinen Gesten und Momente, die entscheiden, an denen man sich in Gedanken noch lange wird reiben.

Mir kamen öfters die Tränen, obwohl eigentlich nichts großartig passiert, dennoch, wer Depressionen oder zu große Melancholie kennt, der schnell die Zeichen kapiert.

Man riecht die Sonnencreme, man spürt die Bikinistreifen, viele kleine Sätze und Betonungen man allerdings erst viel später wird begreifen. 

„Aftersun“ ist für mich einer der bisher ganz großen kleinen Filme des Jahrzehnts, eines dieser emotionalen Erlebnisse, nach denen du dich als Filmfan sehnst.

Da ist Chlor, da ist ein Lächeln, da ist der Rückblick auf scheinbar leichtere Zeiten, die einen wahrscheinlich noch das Leben lang werden beschäftigen und begleiten. 

Lebe und liebe den Moment, manch Kostbares man doch viel zu spät erkennt. 

Das schmerzt, manches heilt eventuell nie, doch wie clever es „Aftersun“ aufbaut und unterbringt, das bricht dir das Herz und fickt dich ins Knie.

Ganz ehrlich, als der Abspann lief war ich zerstört, wie gut und nachhallend „Aftersun“ ist, das ist fast schon gestört.

Am liebsten würde man für immer in diesem Urlaub verweilen, ohne danach mit Kater und Traurigkeit und Einsamkeit zu hängen in den Seilen. 

Dazu ein klasse Look und eine coole Songauswahl, doch ich warne euch, man braucht hierfür gerade als „ruhiger“ Mann und Vater schon Eier aus Stahl.

Ein wenig das perfekte Doppel mit „Call Me By Your Name“, sind hier vor allem die Kulmination der Details und der unterschwelligen Dunkelheit on top of their Game.

Fazit: ein sofortiger Klassiker zum Thema Vater-Tochter-Beziehung und Depressionen. Intensiv, berührend, dezent, aufwühlend. Einer der (vor allem im Nachhinein oder beim zweiten Sehen) intensivsten filmischen Urlaube überhaupt. Geht nicht mehr aus Knochen, Herz und Gedanken. „Aftersun“ hält länger als der böseste Sonnenbrand. 

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