iHaveCNit: Plan 75 (2023) – Chie Hayakawa – fugu Filmverleih Berlin
Deutscher Kinostart: 12.10.2023
gesehen am 29.10.2023 in OmU
Mal Sehn Kino Frankfurt – Reihe H, Platz 10 – 17:30 Uhr
Irgendwie ist es sehr interessant, welche Filme sich für mich durch den Besuch eines weiteren kleinen Kinos in Frankfurt, dem beschaulichen „Mal Sehn Kino“ eröffnen. Durch dieses Kino wäre ich zum Beispiel nie auf einen interessanten japanischen Film mit dem Namen „Plan 75“ aufmerksam geworden, dessen Flyer in diesem Kino auslag und dessen Trailer dort gezeigt wurde. So habe ich es mir auch nicht nehmen lassen, einen kleinen Kino-Ausflug in dieses Kino und einen filmischen Ausflug nach Japan zu unternehmen.
Infolge der Überalterung der Gesellschaft in Japan hat die Regierung ein Programm mit dem Namen „Plan 75“ ins Leben gerufen, dass Menschen ab dem Alter von 75 mit einer nicht unerheblichen Prämienzahlung verbunden das Recht auf Sterbehilfe einräumt. Die 78 jährige Reinigungskraft Michi steht aufgrund ihrem Jobverlust und auch dem drohenden Wohnungsverlust vor der Entscheidung an diesem Programm teilzunehmen. Während Hiromu für das Programm konsequent neue altere Menschen zur Anmeldung bewegt, ist er mit einem persönlichen Fall in der Familie eng mit den Folgen des Programms verbunden. Yoko betreut Menschen auf dem Weg zur Sterbehilfe, bis vor allem die Betreuung von Michi die ganze Sache für sie persönlich macht. Maria ist eine Pflegekraft von den Philippinen, die ebenfalls bei Plan 75 anfängt, damit sie mit dem lukrativen Job ihre kranke Tochter versorgen kann.
„Plan 75“ ist ein sehr feines Sozialdrama, dass als Dystopie eine komplett ohne Science-Fiction auskommende, bodenständige, realistische und lebensnahe Zukunft zeichnet und mich bei weiterem Nachdenken an ein Buch der Schwedin Ninni Holmqvist mit dem Titel „Die Entbehrlichen“ erinnert hat. In dem Buch dürfen Schweden ab dem Alter von 50, sofern sie keinen gesellschaftlichen Wert erbracht haben, sich in einem Sanatorium für den Zwecke anderer für die Gesellschaft Wertvollen opfern bei Medikamententests, künstlich erzeugten Krankheiten, Organspenden und auch einer „Endspende“. In Chie Hayakawas Film ist es nicht ganz so drastisch, den drastischen Part hat in ähnlicher Form bereits Michael Bay mit „Die Insel“ auf die Leinwand gebracht. Dafür ist aber Chie Hayakawas Film wie bereits erwähnt, fein, bodenständig, realistisch und lebensnah geworden und kommt ganz unsentimental, menschlich und mit feinem Humor daher. Aus dem Ensemble ist vor allem Chieko Baisho in der Rolle von Michi zu erwähnen.
„Plan 75“ - My First Look – 8/10 Punkte.