Der in Ungnade gefallene Streamer / Influencer Shawn Ruddy versucht, seinen Ruf wiederherzustellen. In seinen Livestreams nahm er sich seiner Ängste an, um diese zu überwinden und nun stellt er sich seiner größten Herausforderung, indem er in einem verfluchten Haus eine Nacht verbringt. In der heruntergekommenen Bude schleicht er so umher, die Kameras zeigen ihn, seine Perspektive oder die Räume. Alles fake oder spukt es dort wirklich?
Die Grundidee ist dabei Fluch und Segen zugleich. Das Verwenden der Kameras, die Shawn an sich trägt oder im Haus verteilt, generieren stets eine Nähe zur Person und gerade dem Ort, wo etwas passiert. Das steigert die Immersion, man ist immer nah dabei. Dazu ist der Kniff, dass die Kameras sich bei gewissen Aktionen selbst ins Bild bringen, durchaus clever, wird aber zu selten eingesetzt. Dennoch lässt diese Idee den Zuschauer auch aktiv werden, beginnt man doch immer gleich die Szenerie abzusuchen, wenn wieder irgendwo eine der Kameras ausgelöst wird.
Auf der anderen Seite nutzt sich das Konzept mit der Zeit aber etwas ab. Dies fällt nicht sehr ins Gewicht, denn insgesamt betrachtet funktioniert der Film mit dieser Inszenierung unerwartet gut. Dennoch wirkt die eingesetzte Präsentation irgendwann nicht mehr so frisch wie über weite Strecken zuvor. Die Idee ist trotzdem fein, gerade auch weil man in der Ausführung konsequent bleibt und auch, weil Joseph Winter als Influencer einen guten Job macht.
Sein Shawn ist genau einer dieser Typen, die ich so furchtbar finde. Die Art, das Gelaber und Gehabe, dabei immer die Sponsoren im Hinterkopf habend und Hauptsache, man erzählt irgendeinen Kram, ob er nun einen ausreichenden Wahrheits- oder Informationsgehalt hat oder eben nicht. Egal, es geht um die Follower und deren Kommentare, die Shawn immer mal wieder nebenbei abruft, sind mitunter genauso hohl wie seine eigenen. So bekommt das Ganze auch einen gewissen satirischen Anstrich, nimmt sich so ein bisschen die Youtube-Twitch-blah-blah-Streamerei mit ihren aufgeblasenen Selbstdarstellern vor.
Dazu kommt „Deadstream“ ohne eine typische musikalische Untermalung aus. Abseits des von Shawn selbst eingespielten Soundtracks bleibt nur die Klangkulisse und die ist recht gelungen. Gleiches gilt für die Effekte, die durchaus in Ordnung gehen. Nicht ganz gilt das für die Mischung der Genres, die hier präsentiert wird. Der Mix aus Comedy und Horror schlägt stark in Richtung der erstgenannten Spielart aus. Zwar bietet der von Vanessa und Joseph Winter inszenierte Streifen immer wieder mal gruselige Szenen, diese bleiben allerdings kurz, werden schnell durch komödiantische Einschübe gebrochen. Eine stärkere Betonung der Horrorelemente hätte das hier noch wirkungsvoller machen können.
„Shawn thinks he's a final girl.“ Zumindest macht er hier einiges durch, durchaus zur Belustigung des Publikums. „Deadstream“ ist eine nette Variation im Genre, vermischt die selbstdarstellerische Penetranz nerviger Influencer mit Versatzstücken von Spukhausatmosphäre, leichten „Evil Dead“-Schwingungen und rührt eine Menge Witz mit rein. Und ist die Mischung für meinen Geschmack hier auch nicht ideal austariert, so macht das Ergebnis trotz Abnutzung im weiteren Verlauf ausreichend Spaß. Definitiv eine Sichtung wert.