Revenge of the Pink Partner
Ein Alptraum in weichgezeichnetem Pastell: Libertad hat eine ungewöhnlich enge Beziehung zu ihrem erwachsenen Sohn Mateo. Die beiden leben zusammen in ihrer riesigen Wohnung aus schwarzem Marmor und rosa Intérieur, sie schlafen im selben Bett, sie schneidet ihm die Fußnägel, sie erbrechen sich gleichzeitig und jeder Schritt ohne sie schmerzt ihn körperlich. Als Mateo an Krebs erkrankt, überträgt sie ihre Besitzansprüche auch auf die Krankheit. Parallel entdeckt man in Nordkorea ein Einhorn und vergiftet die Bevölkerung.
Auch in seinem zweiten Film spart Eduardo Casanova nicht mit Shock Value: Wir sehen nackte Alte, werden im POV von einer Frau angepinkelt, werden Zeuge einer Gehirnoperation und einer krassen (Wieder-)Geburt. Doch im Vergleich zu seinem Debut PIELES hat Casanova den Weirdness-Faktor deutlich heruntergefahren (auch wenn es hier einen winzigen „Cameo-Auftritt“ einer Figur daraus gibt). LA PIEDAD (ursprünglich die Darstellung der um Jesus trauernden Maria) ist weniger episodisch angelegt und könnte vom Inhalt her fast als extremes Almodóvar-Melodram durchgehen, das in einen Eimer rosa Farbe gefallen ist.
Die Parallelschwenks nach Nordkorea irritieren etwas, offensichtlich sollen sie die Darstellung der totalitären Abhängigkeit aufgreifen und über das Bild der Diktatur dramatisieren. Vielleicht dienen sie aber auch nur dazu, die eigentliche Geschichte halbwegs auf die Länge eines Spielfilms (80 min.) zu strecken. Als längerer Kurzfilm hätte Casanovas Pièta allerdings besser funktioniert.