Daß dieser Film keinen Oscar erhalten hat, gerät der ehrwürdigen Jury zur ewigen Schande. Allerdings wäre es natürlich inhaltlich eine Sensation, wenn dieser Roger Corman-Klassiker eine Auszeichnung erhalten hätte. Wird schon die Polizei nicht gerade als Freund und Helfer dargestellt, so wird in der Schlußsequenz gar ein Allerheiligstes unvorteilhaft ins Licht gerückt: eine patriotische Parade zum 200. Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung (als die revoltierenden Staaten sich gegen die damalige Führungsmacht der westlichen und freien Welt gestellt haben). Daß der Verbrecher ausgerechnet auf einem riesigen "Stop"-Schriftzug auf der Straße zur Strecke gebracht wird und zudem noch auf die US-Flagge fällt, die zuvor an der Spitze des Patrioten-Aufmarsches vorangetragen wurde, ist etwas dick aufgetragene Symbolik, die für die Schlußeinstellung aber durchgeht.
Natürlich ist die berühmteste Szene des Films die Vergewaltigung, die zu den ästhetisch gelungensten, schauspielerisch glaubwürdigsten und emotional aufrüttelnsten des westlichen Films zählt (japanische Filme nehme ich da mal aus, da gibt es das öfters). Daher auch der reißerische deutsche Titel, der die Breite des Films aber nur unzureichend wiedergibt. Der FIlm besticht ebenso durch spannende Verfolgungsjagden, die jedem Actionthriller Ehre macht, wie durch - ansatzweise gesellschaftskritische - Personencharakterisierungen, und durch zwei hervorragende schauspielerische Leistungen. Yvette Mimieux als Karrierefrau, die durch Konflikte mit der Männerwelt - ein ignoranter, selbstgefälliger Produzent und ihr fremdgehender Freund - aus dem Gleichgewicht gerät und damit erst die Voraussetzung für die "unglückliche Verkettung" erfährt, die sie ins Gefängnis von Redneck County bringt. Tommy Lee Jones ist ein völlig konträrer Typ, der Berufskriminelle, der bewußt das Outsider-Dasein gewählt hat. Daß sie glaubt, durch Erklärungen ließe sich alles im Leben klären, ist ihre Illusion, die sie wohl erst am Schluß des Films ganz abgelegt hat.
Besondere Erwähnung finden muß noch die gelungene Kameraführung, von der Draufsichtperspektive nach der Vergewaltigung in der Gefängniszelle bis zur Handkamera bei der Verfolgungsjagd zu Fuß.
Ein absoluter Pflichtfilm für Cineasten wie Genrefreunde.