Einöde der Peiniger von Juval Marlon versucht, als kompromissloser Undergroundfilm zu schockieren – und genau darin liegt letztlich auch sein größtes Problem. Was auf dem Papier nach einer düsteren, verstörenden Charakterstudie klingt, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als erstaunlich unterdurchschnittlicher Versuch, mit möglichst viel Ekel und Tabubruch Aufmerksamkeit zu erzeugen.
Der Film ist in zwei ineinander verwobene Episoden gegliedert. Zunächst lernen wir die Krankenpflegerin Karla kennen, die ihren Beruf als Fassade nutzt, um als Serienmörderin ihren Patienten auf brutale Weise das Leben zu nehmen und zudem ihrem nekrophilen Hobby nachzugehen. Diese erste Hälfte setzt stark auf Provokation, bleibt dabei aber erzählerisch dünn. Statt psychologischer Tiefe oder spannender Dramaturgie gibt es vor allem explizite Andeutungen und plakative und sexuelle Gewaltdarstellungen.
Nach etwa der Hälfte der Laufzeit verschiebt sich der Fokus: Karla verkauft den schwerbehinderten Titus an den wohlhabenden Morris, der dessen „Pflege“ auf seine ganz eigene Art übernimmt. Dieser Perspektivwechsel hätte dem Film neue Impulse geben können, wirkt jedoch eher wie ein abrupter Bruch als eine organische Weiterentwicklung der Handlung. Die Figuren bleiben schemenhaft, ihre Motivationen werden kaum greifbar und die Darsteller wirken überfordert und tendieren ins lächerliche.
Visuell schwankt der Film stark. Einige Kameraeinstellungen sind durchaus atmosphärisch und passen zur trostlosen Stimmung der titelgebenden Einöde. Doch immer wieder wirken Szenen amateurhaft inszeniert. Besonders der Schnitt lässt zu wünschen übrig: Übergänge sind oft zu hart oder unpassend gesetzt, wodurch selbst potenziell eindringliche Momente ihre Wirkung verlieren. Romantisch anmutende Sequenzen im Wald oder auf der Heide werden unvermittelt von Tod, Blut und anderen Körperflüssigkeiten unterbrochen – ein Kontrast, der zwar bewusst irritieren soll, hier aber eher unfreiwillig komisch oder schlicht unangenehm wirkt.
Hinzu kommt ein spürbares Problem mit dem Timing. Trotz einer Laufzeit von etwas mehr als einer Stunde zieht sich der Film überraschend in die Länge. Szenen werden zu lange ausgespielt, während andere zu abrupt enden. Dadurch entsteht kein echter Spannungsbogen, sondern ein zähes Nebeneinander von Schockmomenten und Leerlauf.
Einöde der Peiniger ist sicherlich kein Film für ein breites Publikum und will es auch nicht sein. Doch selbst im Underground-Kontext fehlt es hier an erzählerischer Substanz, handwerklicher Präzision und echter künstlerischer Vision. Statt verstörend oder tiefgründig bleibt vor allem der Eindruck eines Films, der Schock um des Schocks willen sucht.