Fallstudie: Die 473.
„Fall“ zitiert anfangs überdeutlich den Kletterklassiker „Cliffhanger“ und lässt erstmal den Freund unserer Protagonistin „schockierend“ in den Tod stürzen. Ein Jahr später ist sie immer noch völlig neben der Spur und weit entfernt weiter zu klettern, doch ihre nervige Influencerfreundin hat die geniale (oder war es strunzdumme?!) Idee zur Schocktherapie - die beiden Wollen einen hunderte Meter hohen Funkturm besteigen und endlich über ihr Trauma hinwegkommen…
Ein echter Todesturm erwartet einen in „Fall“. Er, seine Höhe, Gefahr, die Aussicht samt Geiern und staubigem Wind, abfallenden Leitern und wagemutigen Sprüngen - das ist der Star der Show. Dass die Mädels blass bleiben oder sogar unsympathische Influencer sind, dass Jeffrey Dean Morgan als Daddy total verschenkt wird und dass man nahezu alle Versatzstücke und Finten mindestens erahnen, wahrscheinlich sogar genau vorhersagen kann, wird da etwas zu B-Note und Beiwerk. Blöd, aber gar nicht mehr allzu ärgerlich. Denn es geht rauf und runter, mit BFF-Krisen und Todesmut, Survival of the Fittest, Überlebenskampf pur, nicht nur gegen Mutter Natur. Auch gegen den inneren Famegeier, Trottel und Schweinehund, gegen das Trauma und den Muskelkater, gegen die Höhenluft und den Sonnenbrand. Und hier braucht es gar keinen Hai oder eine tierische Bedrohung, um spannend zu bleiben. Selbst wenn man wahrscheinlich 10-15 Minuten filmischen Speck hätte wegschneiden können, um das Ding noch fieser und windschnittiger zu machen. Aber auch so ist’s wackelige B-Movie-Kost, die nur umfällt oder abstürzt.
Fazit: Im Grunde „The Shallows“ auf 'nem Turm. Mit ein bisschen „Frozen“ (der mit dem Skilift) und „The Descent“ reingeworfen. Die Charaktere sind so flach wie der Turm hoch. Aber viele der Klischees und eine routinierte Inszenierungen (erst recht wenn man es nicht so mit Höhen hat) halten dieses reinrassige Spannungstandem am laufen. Je weniger man in dieser Richtung gesehen hat umso besser denke ich. Aber das ist ja immer so.