Nachdem Becky ihren Ehemann bei einem Kletterunfall verloren hat, ist sie ein Wrack. Keine Hilfe annehmend ergeht sie sich in ihrem Leid. Aus diesem reißt sie ihre Freundin Hunter, die sie zum Aufstieg auf einen 600 Meter hohen Funkturm überredet. Hier soll Becky die Asche ihres Verblichenen verstreuen und ihre Isolation überwinden.
Und eigentlich hätten beide bei dem Anblick dieses durchgerosteten Ungetüms gleich wieder Kehrt machen müssen. Aber da Hunter für die Klicks und Likes ihrer Follower sehr zu haben ist, ist das alles kein Thema. Und als Zuschauer kann man sich somit ab der ersten Sprosse der Leiter, die auf den Turm hinaufführt, denken „selber schuld“. Denn es kommt wie es kommen muss, der Weg nach unten ist passé und die beiden sitzen da oben fest.
So versuchen sie dies und das, manches ist zum Lachen (Auto), manches ist saudumm (Drohne), dramaturgisch ist das eher medioker ausgeführt. Die ersten Minuten sind schon klischeehaft und im Gesamten bleibt „Fall“ meist vorhersehbar, arbeitet bekannte und erwartbare Vorkommnisse ab. Natürlich wird noch ein Geheimnis aufgedeckt, die Liste wird weiter abgehakt.
Geier, Wetter und ein Twist – als ob's 'ne Überraschung ist.
Was durchaus gelungen ist, wenn das auch persönliche Befindlichkeiten berührt, ist das Spiel mit der Höhe. Trotz dem Wissen um die Effekte schafft „Fall“ es immer wieder, mir ein mulmiges Gefühl in die Magengrube zu zaubern, wenn es um die Erfahrbarmachung der Entfernung zum Boden geht. Das funktioniert meist ziemlich gut und abseits dessen hab ich ein Herz für Szenarien auf so begrenztem Raum. Das kriegen die oben genannten Mängel nicht ganz kaputt. Auch wenn man nur ein einziges Seil dabei hat und sich gegenseitig Motivationssprüche aus dem Cosmopolitan-Kalender um die Ohren haut.
Im Falle eines Falles ist richtig fallen alles. „Fall“ lebt von seinem Spiel mit der Höhe, das durchaus gut funktioniert. Für die Figuren oder die Dramaturgie gilt das nicht unbedingt, wobei das begrenzte Szenario eben nur begrenzte Aktionen ermöglicht. Nicht immer clever, insgesamt ein Stück zu lang und über manche Dümmlichkeit muss man hinwegsehen. Für Freunde von minimalistischen Szenarien und Höhenangst trotzdem keine komplette Zeitverschwendung.