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Der Film Fall aus dem Jahr 2022 beginnt zunächst recht unspektakulär. Zwei junge Frauen, beide Kletterinnen, wollen nach einem persönlichen Schicksalsschlag (der allerdings mehr wie ein Vorwand wirkt) einen über 600 Meter hohen, völlig verrosteten Sendeturm erklimmen – und ja, allein diese Grundidee ist schon schwer nachvollziehbar, selbst wenn man passionierter Höhenjunkie ist.

Aber ganz ehrlich: Die Handlung ist eigentlich völlig nebensächlich. Der Film will nichts anderes als den blanken Terror einfangen, den man verspürt, wenn man sich plötzlich in unvorstellbarer Höhe befindet – ohne Ausweg, ohne Empfang, mit dem Tod direkt unter einem. Und genau das macht er erschreckend gut.

Die Aufnahmen sind grandios. Panorama-Shots, Drohnenflüge, Perspektivwechsel – all das sorgt für ein körperliches Unwohlsein beim Zuschauen. Wer auch nur ansatzweise empfindlich auf Höhenangst reagiert, wird bei diesem Film durchgehend Gänsehaut bekommen. Das quietschende Metall, die wackeligen Leiterstufen, die Rostbrocken, die sich lösen – man kann die Lebensgefahr regelrecht spüren. Atmosphärisch liefert der Film hier gnadenlos ab.

Natürlich gibt es ein paar Twists und kleinere dramatische Momente, aber das alles ist nicht das Herzstück des Films. Der wahre „Inhalt“ ist diese bedrückende Ausweglosigkeit auf dem Turm. Es ist ein Kammerspiel in der Luft. Reduziert, effektiv, spannend.

Die Charakterentscheidungen sind größtenteils fragwürdig, teilweise sogar absurd – aber das spielt in dem Moment keine Rolle mehr, wenn man als Zuschauer selbst schwitzige Hände bekommt. Dass eine der beiden Frauen am Ende stirbt und die andere überlebt – okay, ja, das ist halt der Standard. Wichtig ist hier nicht das „Was“, sondern das „Wie“.


Fazit:

Fall ist kein Meilenstein und auch kein filmisches Kunstwerk – aber für alle, die mal echten Nervenkitzel ohne Monster, Zombies oder Geister erleben wollen, ist das hier genau das Richtige. Wer Höhenangst hat, wird diesen Film garantiert nicht vergessen.

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