Die Auswahl an Bedrohungen aus dem Tierhorrorbereich bleibt überschaubar: Ist man im Wasser, kommt der Hai. Ist man im Wald, kommt der Bär. Ist man in den 50ern, kommt die Riesenspinne und in der Savanne sorgt der Löwe für den Überlebenskampf, den der isländische Regisseur Baltasar Kormákur mit einer angemessenen Dynamik inszenierte.
Nach dem Tod seiner Frau fliegt der Arzt Nate (Idris Elba) mit seinen beiden Töchtern (Iyana Halley und Leah Jeffries) zwecks Annäherung nach Südafrika, wo das Trio in Begleitung des alten Studienkollegen Martin (Sharlto Copley) auf eine kleine Safari geht. Doch einem Löwen passt dies gar nicht und er zettelt eine gnadenlose Jagd an…
Dass Löwen ihre potenziellen Opfer grundsätzlich als Beute betrachten, bewiesen bereits zwei gleichnamige Filme: „Prey“ von 2022 und ein weiterer von 2007. Ein nachvollziehbares Motiv für die rasende Großkatze wird immerhin früh geliefert, als Wilderer wahllos metzeln, welche im Verlauf eine angemessen blutige Retourkutsche erfahren.
Der Vorlauf mit familiären Diskrepanzen führt zu brauchbaren Figurenzeichnungen, wobei diese innerhalb der Action zum kurzen Durchatmen weniger geeignet sind und die dazugehörigen Dialoge weitgehend flach ausfallen. Eine schöne Szene erhält indes Martin, als er sich einem Rudel nähert, woraufhin zwei Männchen zum Kuscheln auf ihn zukommen, da er einige von ihnen groß gezogen hat. Hier offenbaren sich bereits recht taugliche Computereffekte, welche später beim Angreifer ebenfalls nur selten mit leichten Mankos behaftet sind. Löwen sind halt nicht so simpel zu animieren wie Haie.
Innerhalb der Belagerungssituation gibt es einige Momente, die unweigerlich an „Cujo“ erinnern, andere folgen Mustern des Überlebensthrillers, einschließlich einiger dummer Verhaltensweisen. Denn die Töchter bleiben nur selten an einem vermeintlich sicheren Platz und ruhig zu sein ist gleichzusetzen mit leisem Schreien. Der Löwe hat allerdings auch keinen dollen Tag erwischt, denn mit verstopftem Näschen lässt sich die Beute selbst unter einem Stamm im Wasser wahrlich nicht aufspüren.
Ansonsten rummst es bei einigen Attacken des Löwen ganz ordentlich, einige auffallend lange Takes fördern eine effektive Dynamik zutage und während der Score angemessen untermalt, wird es hin und wieder ein wenig blutig. Aber immerhin ist ja ein Arzt an Bord, der in prekären Momenten für etwas Ruhe sorgt. Allerdings nicht während des Showdowns, der in Sachen Glaubwürdigkeit recht nah an die Grenze des Kopfschüttelns gerät.
Idris Elba und sein Team performen weitgehend überzeugend, speziell im Kontext einer Bedrohung, welche in jenen Momenten nicht plastisch zum Mitspielen vorhanden ist. Die Löwen sind insgesamt recht gut in Szene gesetzt und somit wird in regelmäßigen Abständen für Action und Spannung gesorgt, was bei der Mixtur aus Survival und Tierhorror bereits die halbe Miete ist. Die simpel gehaltene und überraschungsfreie Geschichte wird flott genug vorgetragen, um einige Mankos zu kaschieren, während der Schauplatz Südafrikas für Abwechslung und schöne Bilder sorgt.
6,5 von 10