Die junge Tess reist wegen eines Vorstellungsgesprächs nach Detroit und muss, als sie nach Einbruch der Nacht in der heruntergekommenen Gegend ankommt, feststellen, dass das Haus, welches sie über Airbnb gemietet hat, versehentlich doppelt belegt wurde und sich ein etwas schräger Typ namens Keith bereits in der Bude breitgemacht hat. Zwar bietet Keith der jungen Frau ganz Gentleman-like das Schlafzimmer an, während er selbst die Nacht auf der Couch verbringt, doch so wirklich geheuer erscheint er Tess dadurch nicht. Am nächsten Morgen ist Keith verschwunden und als Tess von ihrem Termin zurückkehrt und auf eigene Faust das Haus durchsucht, macht sie hinter einer Geheimtür im Keller eine schreckliche Entdeckung... Nach Jordan Peele versucht mit Zach Cregger nun offenbar der nächste Comedian auf dem Regie-Stuhl durch einen Sujet-Wechsel ins Horror-Fach zu einem gewissen Erfolg zu schwimmen... und so bedient "Barbarian" dann auch direkt mal dieselbe Schublade solcher Streifen wie "Get Out" und "Wir": Gesellschaftskritik und spekulative Spannungs-Mache, verpackt in ein Genre-Korsett und mit einer wendungsreichen Storyline, deren Verlauf keinesfalls von Beginn an vorherzusehen ist. Okay, zugegeben, Cregger lässt sich da ziemlich lange nicht in die Karten sehen und schürt anfänglich mit einer nicht ungeschickt erzeugten Atmosphäre diffusen Unbehagens eine gewisse Neugier, stellt man "Barbarian" aber nun eben einem "Get Out" gegenüber, der ja nun wirklich auf allen Ebenen bestens funktioniert hat, wird schnell klar, dass der vorliegende Film wohl kaum jemals denselben Stellenwert erreichen und auch aus Cregger mal kein zweiter Jordan Peele werden wird. Alleine der Umstand, dass Peeles Sketch-Comedy zuvor teilweise bereits echt beißend und verstörend dahergekommen ist, während Cregger bislang nur mit der - mittlerweile schon lange verdrängten - 2009er-Klamotte "Miss March" auf sich aufmerksam gemacht hat, sollte einem den zu erwartenden Niveau-Unterschied da anschaulich verdeutlichen und so zeigt sich dann auch mal wieder, wie wichtig ein ausgefeiltes Drehbuch (wofür dann wie bei "Get Out" auch mal zu Recht ein Oscar rausspringen darf!) für das Gelingen eines Genre-Streifens ist, denn die Handlung von "Barbarian" ist zwar allemal unvorhersehbar, aber dafür halt leider auch schwachsinnig hoch zehn... und der intonierte Horror ist nicht wie beabsichtigt elevated, sondern im wahrsten Wortsinn tiefergelegt: Ein im Alleingang ausgehobenes, weit verzweigtes Tunnel-System unter einem Vorstadt-Häuschen, das dann auch noch mit Elektrizität und TV-Empfang ausgestattet ist...? Ja, ja, is' klar! Und als wäre das noch nicht schlimm genug, so müht sich "Barbarian" im Anschluss auch noch redlich ab, ungefähr zwei Dekaden nach "Wrong Turn" erneut den Beleg dafür zu liefern, dass der schnellste Weg zur Erlangung von übermenschlicher Kraft und 'ner robusten Unverwundbarkeit mal immer noch harter Inzest ist... Prost Mahlzeit! Man merkt's, die Angelegenheit gibt sich nach außen hin sophisticated, aber im Kern verarbeitet sie doch nur dieselben naiven Einfälle und Klischees, wie es echter Genre-Müll schon seit jeher auch getan hat, generiert aufgrund der erzählerischen Kniffe, mit denen Cregger den Inhalt häppchenweise vor dem Zuschauer ausbreitet (und damit mehr Substanz vorgaukelt, als tatsächlich vorhanden ist) aber leider nicht auch einen ähnlichen Unterhaltungswert... selbst wenn man sich da als Zuschauer irgendwie mit allen beknackten Story-Details arrangieren kann und auf sowas wie Logik scheisst. Nun ja, wie heißt es so schön, alle Wege führen nach Rom... oder halt wie hier in einen schematisch ablaufenden Schluss-Akt nach der Manier depperter Monster-Movies, bei dem mit abgerissenen Armen und zermatschten Köpfen zumindest nochmal kurz die Gore-Sau durchs Dorf getrieben wird. Freuen darf man sich da nur ein bisschen über Justin Long, den es bei der Darstellung eines echten Arschloch-Charakters wie bereits in "Tusk" wieder mal vor nichts graust und der die Chose mit seinem Auftritt zur Halbzeitmarke - trotz des plumpen MeToo-Fingerzeigs - zumindest ein wenig auflockert. Aber dennoch: Sämtliche übertrieben positiven Kritiken sind absolut unverständlich, denn "Barbarian" ist nur barbarisch-bescheuerter Trash...!
3/10