Hm. Also im Grunde... ist "Bodies, Bodies, Bodies" nichts anderes als eine Agathe Christie Verfilmung für die jüngere Generation. Welche genau, also da hab ich mittlerweile (wie so viele andere auch) den Überblick verloren.
Gen Y? Gen Z? Boomer? Gen V? Halt nein, das war was anderes. Wir wollen doch nicht noch verwirrter aus dieser kleinen Kritik rauskommen als wir reingegangen sind, oder? Nun, welche Generationsbezeichnung das auch immer sein mag: einigen wir uns auf "eine Jüngere" (geschrieben Richtung Jahreswechsel 2023/2024). Für diese Wesen ist das ja fast schon Retro: eine Gruppe junger Menschen verabreden sich zu einer Art Hurricane-Party, auf der sie eine bevorstehende wetterliche Sturm-und-Drang Passage in einem ziemlich geräumigen Luxus-Haus, auch als Villa zu bezeichnen, aussitzen möchten.
Was sich daraus aber entwickelt, ist ein fantastisches Beispiel für das Verhalten in einer Gruppe, in der im Grunde niemand wirklich ehrlich ist. Alle (bis auf eine) kennen und lieben sich, aber unter der Oberfläche brodelt es. Als dann Pete Davidson stirbt, auf dem Höhepunkt einer Runde "Werwolf" (googelt es, verdammt) wohl gemerkt, bricht das soziale Verhalten mit jeder Minute mehr und mehr auseinander. Es ist zugleich grausam und leider schwer unterhaltsam, wenn sich jemand auf eine Person als Verdächtiger eingeschossen hat, nur um zu sehen, wie schnell sich auch die anderen noch lebenden "Freunde" der Meinung anschließen und dann widerlichster psychologischer Druck ausgeübt wird, das ist Unterhaltung vom Feinsten. Und vermutlich leider nichtmal weit weg von der Realität.
Wie sagt man in einem anderen Horrorfilm? "Der wahre Horror ist, das er wahr ist"?
Schauspielerisch ist der Film wirklich nett, vor allem Maria Bakalova als die eine Person, die quasi druckfrisch und unschuldig wie ein Reh (?) in diesen Strudel der Missachtung und des Hasses reinschlittert, spielt ihre Rolle schwer überzeugend. Ich mag sie ohnehin gerne sehen, ein unverbrauchtes Gesicht, außerdem kann die schauspielerisch so einiges. Größere Dinge warten am Horizont. Aber eigentlich ist jede Rolle goldrichtig besetzt worden. Dazu eine Regie, die vor allem den Unterschied zwischen nettem Vorgeplänkel, wo sich alle noch grün sind (oder vorgeben, sich grün zu sein), und Psycho-Alptraum, das ist bärenstark gemacht. Der Übergang ist dabei angenehm fließend, man rutscht zusammen mit Miss Bakalova, in diesen Strudel hinein und kann sich dem, wenns erstmal so richtig losgeht, schwer entziehen.
Das ist alles nicht Hollywoods A-Klasse, aber dass der Film nur ein Geheimtipp ist, auch wenn er gefühlt sehr viel aggressiver beworben wurde, das ist eine Frechheit. Die Leute sehen Pete Davidson und winken dann dankend ab. ABER wer doch dran bleibt, wird mit einem grandiosen Whodunnit-Psycho-Alptraum belohnt, der möglicherweise eben nicht nur der jungen Generation gefallen dürfte. Verdammt, wie nennen wir die Zielgruppe denn nun?