Review

Da haben sie dir einen Ameisenbären aufgebunden! 


Saul Bass, seinerzeit Meister des Intros und Vorspanns, hat mit „Phase IV“ (ganz wie sein langjähriger Chef) in die Tierhorrorschublade gegriffen und diese mal kräftig aufgeräumt. Herausgekommen ist minimalistischer und abstraktester Ameisenterror der nicht nur ökologisch wertvollen Sorte...

„Phase IV“ ist mit nichts, aber auch absolut gar nichts im Tierhorrorgenre vergleichbar. Nichtmal mit Hitchcocks „Die Vögel“ oder dem ähnlich wissenschaftlich und trocken angelegten „The Andromeda Strain“ (kein Tierhorror). Was Bass hier stilistisch und atmosphärisch auffährt scheint kaum von dieser Welt. Gespickt mit (echten!) unfassbaren und unwirklichen Nahaufnahmen des plötzlich übernatürlich schlau gewordenen Ameisenvolkes, unterlegt mit sphärischen Klängen und einem schlicht apokalyptischen Ende. Ein Trip! Meditativ beunruhigend. Das ist bleibend, das ist fesselnd. Das braucht keine großen Gore- oder Schockszenen, das braucht keine Computereffekte oder großartigen Pointen. Das steuert geradezu in den Abgrund. Und wir als Spezies können daran scheinbar kaum etwas ändern bzw. tragen unseren Anteil bei. Sind gar das entscheidende Medium. Stylisch, besonders, ein Mikrokosmos bereit zur Übernahme der Erde. Wie bedauernswert, dass das Saul Bass' einziger Langfilm blieb. Fast eine Art Monolith in Sachen „Naturhorror“. Seriös. Psychedelisch und halluzinatorisch. Total 70er. Total toll. Ein wenig artsy vielleicht und für manche sicher mit zu wenig erhofften „Schauwerten“ wie angreifenden oder wachsenden oder schlemmenden Ameisen. Aber er bietet dafür so viel mehr. 

Fazit: in seinem Subgenre ein herausragender, wertvoller und wirklich gruseliger Krabbelhorror mit stark wissenschaftlichen, gesellschaftlichen (!) und naturalistischen Blickwinkeln. Das juckt, das kitzelt, das brennt. Wirklich beunruhigend. Feinst! 

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