Review

Geht über die Mattscheibe hinaus

"Incantation" hat sich zu einem kleinen Found Footage-Sleeperhit auf Netflix gemausert und erzählt (auf dem Papier super generisch) von einer taiwanesischen Mutter, die ihre Tochter im Kindergartenalter vor einem bösen Fluch und einer dunklen Entität aufgrund eines vor Jahren begangenen religiösen Tabus beschützen bzw. am besten befreien muss...

Nur über die Leiche meiner Tochter...

Das mag alles maximal vertraut klingen, egal ob's aus dem amerikanischen oder dem asiatischen Raum kommt, aber "Incantation" funktioniert erstaunlich gut trotz Überlänge und Klischees. Der Zuschauer wird interessant eingesponnen, es gibt gleich zwei Erzählstränge über zwei verschiedene Zeitepochen, es gibt etliche wirklich creepy Bilder und Momente, die Einblicke in die taiwanesische Kultur geben einem etwas, die Soundkulisse ist ein weiterer enormer Gänsehauttreiber, um ein kleines Kindergartenkind bangt man automatisch mit und die Panik, Verzweiflung, der Terror, die Sünden einer Mutter werden glaubhaft rübergebracht. Ja, manchmal sind die Schauspieler und Dialoge arg steif. Und ja, wie gesagt, über einige Klischees stolpert bei genauerem Hinsehen dann "Incantation" doch. Aber er hat dieses gewisse Etwas, vielleicht ist's die taiwanesische Schärfe, die ihn für meinen Geschmack gemein-gefährlich von westlichen Gruselgerichten abhebt. Als ob man "Paranormal Activity" mit "The Medium" kreuzt. Nur etwas plakativer (und netflixtauglicher) als Letzterer. 

Fazit: Die Involvierung des Zuschauers ist gemein und genial. Aber auch der Rest von "Incantation" ist ein wirklich gelungener, garstiger Grusler aus Taiwan - ob Found Footage oder nicht! 

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