Review

Im Jahre 2022, T minus noch vier Produktionen des dann scheidenden und sich mit einem Knalleffekt verabschiedenden Bruce Willis, wird man sich angesichts der übergebliebenen und die letzten Jahre nicht wirklich zum Besseren entwickelnden Gegebenheiten auch vermehrt nach Filmemacher Jon Keeyes umsehen oder umsehen müssen. Keeyes hatte in jüngster Zeit gerade das Gespür für durchaus interessant klingende Prämissen, den 'Stirb langsam im Supermarkt' namens Rogue Hostage, oder den geradezu aktuell wirkenden The Survivalist, der natürlich inmitten einer Pandemie zum genau richtigen Zeitpunkt erschienen ist, aber auch unabhängig davon durchaus seine Zuschauer gefunden hätte. Und sei es nur durch die erwählten Darsteller, die jeweils (angesichts der Herkunft und des Umfeldes und auch der Qualitäten des Regisseurs, die so ausgeprägt noch nicht sind) schon ihre bekannten Namen haben und ihre Aufmerksamkeit garantieren. Code Name Banshee geht von ebensolchen Bedingungen aus, gerade die Mitwirkung von Antonio Banderas sollte automatisch als Verkaufsargument ausgereicht haben, und ist möglicherweise auch der einzige Grund für eine Daseinsberechtigung des Filmes, dessen Handlung sich (in unheilvollen Dröhnen und mit reichlich kränklichen Gelbstich) in etwa wie folgt darstellt:


Nach einem verheerenden 'Zwischenfall' während des Transportes einer Zeugin ist der für die Sicherheit zuständig gewesene CIA-Mitarbeiter Caleb Navvaro [ Antonio Banderas ] abgängig; dasselbe gilt für seinen Teampartner Jeremy, der Vater der ebenfalls im Dienste der Firma als 'Banshee' tätigen Delilah [ Jamie King ]. Da diese ebenfalls des 'Landesverrats' verdächtigt wird, kündigt sie die bisherige Tätigkeit und ist nunmehr mit Unterstützung des PC-Spezialisten 'Kronos' a.k.a. Michael Shea Thomson [ Aleksander Vayshelboym ] als Auftragskillerin zuständig, was sie eines Tages in die Quere des den gleichen Job, aber mit mehr Mannkraft ausübenden Anthony Greene [ Tommy Flanagan ] führt. Greene, der auch für das Verschwinden von Caleb und Jeremy zuständig ist, bietet 'Banshee' einen gemeinsamen Deal zum Auffinden von Caleb an, was diese allerdings ablehnt und sich selber, mit einem Söldnerkommando auf den Fersen auf die Suche macht.

"Honestly...I have seen worse. I mean, you were very good, very good. But these two? They preform like wet towels."
CIA, Agenten, Assets, Russen, Überläufer, Geheiminformationen, verschwundene und/oder abgetauchte Männer, ausgesetzte Kopfgelder, Familie, Freundschaft, Loyalität und Enemy of the State; Details kommen eingangs zahlreich, Verbindungen spärlich, die Rekapitulation eines Geschehens, wo die entscheidende Intel unklar ist oder gleich gänzlich fehlt. Protokolle, Interviews, Verhöre, Observation, Technikeinsatz und geschwärzte Seiten, ein Spiel mit den Mechanismen des modernen Spionagefilmes, mit High Tech Schnickschnack, mit effizient ausgeführten Routinen und mit einigen verheerenden Pleiten. 'Fünf Jahre danach' spielt das Geschehen selber, die Welt ist gleich und hat sich nicht verändert, erzählt wird das Geschehen über das Lösen von Problemen und dem Töten und Beseitigen. Rückblickend ein Ambush in der Abgeschiedenheit einer Kiesgrube, derzeit das Ausschalten einer Wachmannschaft in einem anonymen Gebäude, die 'Rezeption' mit dem Schalldämpfer aus der Distanz, die nächsten beiden im Nahkampf vor dem Fahrstuhl, vier weitere vor dem Ausgang usw. usf., die Mission ist eine Falle und sie ist ein Erfolg und eine Niederlage, im Film und vom Film, der sich bemüht und auch mancherlei erledigt, aber dennoch mit der (minimalistischen) Ausgangslage schon am Scheitern und auf dem Wege des Verderbens ist.

Nachteilig wirkt sich speziell die Besetzung der Titelrolle mit Jamie King aus, die die Chance der Hauptrolle (nach Out of Death nebst eben Willis und nach einer anstrengenden Scheidung) sicherlich mit Hoffnung ganz eigener Art füllt und mit gewünschter Präsenz bekleidet, aber dennoch nie glaubhaft überzeugend (als Art weiblicher, ausgemergelter Hitman: Code 47) wirkt; später kommt als Unterstützung eine jüngere und noch kleinere Ausgabe davon hinzu, wobei auch das Umfeld unabhängig davon beizeiten den Weg einer Art Hirngespinst und Paralleluniversum (à la der John Wick Reihe) und nicht der trockenen Realität und dies auch noch mit einer vollkommen beliebigen Prämisse, dem Rekapitulieren einer längst vergangenen Black Op geht. Erzählt wird hier auch von dem Suchen nach der Wahrheit und dem Ausüben von Rache, die meisten Szenen folgend der Eröffnung spielen außerhalb der Großstadt (gedreht wurde in Hartford County, Connecticut, bzw. Wilkes County im Bundesstaat North Carolina) und sind sowieso kühl bis trüb bis zuweilen in seiner dramatischen Ernsthaftigkeit auch albern. Ein steter Waffengestus herrscht hier vor, alle naselang wird die Waffe gezogen oder aus einem Versteck heraus gezückt, wie ein verlängerter Arm, zum sich ob des Vorhandenseins zu vergewissern und sich gegenseitig das kühle Metall zu zeigen. Fahrszenen sind zuweilen deutlich nicht auf der Straße, sondern im Studio bebildert, Rückblenden und Fetzen von Erinnerungen mischen sich stetig in die Jetztzeit, das frühere Gelb wechselt bald zu vorherrschend Grün und Braun, wirkt aber wegen der allgemeinen Leblosigkeit und der Starre von Kommunikation und Gefühlen wie Grau. Tatsächlich wird auch weniges und dies nur eindimensional erzählt, isoliert an einem Ort, vieles nur behauptet. Die Kamera unruhig, unfokussiert, viele Unschärfen, Dialoge sind banal, seltsam abgehakt und wie unter medizinischen Einfluss vorgetragen; letzteres gilt auch für Banderas. (Der Darsteller ist auch folgend für Keeyes' The Last Girl gesetzt, ein Pakt mit dem Teufel quasi und Meilen von Acts of Vengeance, Bullet Head oder gar Security entfernt.)

Actionszenen selber dabei sind eingangs durchaus solide gehandhabt, nach dem ersten Auftragsjob herrscht zwar erstmal Flaute, wird aber zum Ende des zweiten Drittels mit einem doppelten Angriff eines Sturmtrupps auf eine Taverne respektive Einfamilienhaus wieder ein paar Schusswechsel samt auch physischen Auseinandersetzungen, gerne die der untergewichtigen kleinen Frau gegen durchweg größer gebaute Männer präsentiert; dann ist auch eine Übersichtlichkeit gegeben und hat man sich zumindest das Bemühen um eine wirkungsvolle Inszenierung dessen (wenn auch mit deutlich Mündungsfeuer aus dem PC und natürlich ebenso den Blutspritzern) auf die Fahnen geschrieben. Ein längerer Showdown derselben Machart geht gleichsam folgend vor, ist aber schon wieder zu ausdauernd, wenig abwechslungsreich und zusätzlich ermüdend.

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