Review

iHaveCNit: Pearl (2023) – Ti West – Universal / A24
Deutscher Kinostart: 01.06.2023
gesehen am 05.06.2023 in OmU
Arthouse-Kinos Frankfurt – Große Harmonie – Reihe 4, Platz 9 – 20:45 Uhr

Es war der Vorabend zu meinem 35. Geburtstag im letzten Jahr. Der Film meiner Wahl war damals Ti Wests „X“, der nach den Vorschusslorbeeren des vorherigen Fantasy Filmfests zu einem durchaus mit Spannung erwarteten Film – und letztendlich auch zu einem Highlight des letzten Filmjahres wurd. Wer beim Abspann geduldig war, wurde mit einem interessanten Trailer belohnt, denn Ti West hat am Ende von „X“ bereits den zweiten Teil „Pearl“ einer als Trilogie geplanten Filmreihe, die mit „MaXXXine“ enden soll, mit einem Trailer angekündigt. Für mich war selbstverständlich eine Sichtung Pflicht und am Ende von 2023 wird sich „Pearl“ ähnlich einreihen wie bereits sein Vorgänger.

Jahrzehnte, bevor in den 70ern eine Filmcrew auf der Farm von Howard und Pearl den Porno „The Farmers Daughter“ gedreht und damit bei Pearl für ein obsessiv, sexuell tödliches Verlangen gesorgt hat, erleben wir nun, wie Pearl zu Zeiten des ersten Weltkrieges und der spanischen Grippe auf dieser Farm lebt und darunter zu leiden hat, dass ihre Mutter so kontrollierend ist, der kranke Vater gepflegt werden muss und ihr Ehemann Howard sich noch im Krieg befindet. Pearl wünscht sich nichts sehnlicher als eine Karriere als Tänzerin, wäre da nicht ihre familiäre Situation und auch prägende, traumatische Erlebnisse in ihrem Leben, die einen entsprechenden Einfluss auf ihren Gemütszustand haben.

„Pearl“ ist ein Film, der wie auch bereits „X“ sehr mit den Erwartungen spielt und diese unterwandert. Man mag zwar wenig Horror in „Pearl“ erleben, viel mehr ist es eine sehr unbehagliche Stimmung, die der Film ausstrahlt. Unbehagen, weil der Film nahezu alleine auf Mia Goths Schultern getragen wird, die mit ihrer vielschichtigen, extrem gut gespielten Pearl für eine unterschwellige Spannung über den gesamten Film sorgt. Von der visuellen, farbprächtigen Inszenierung des Films, die ein wenig an „Der Zauberer von Oz“ erinnert über das Grauen, dass sich komplett gegen den Strich gebürstet weitestgehend im Hellen abspielt und nicht zuletzt dieser unfassbar gute, spannende und ambivalente Charakter von Pearl machen den Film zu einem Erlebnis, der auch als klassische bitterböse Abrechnung mit dem amerikanischen Traum gewertet werden kann. Ti Wests Trilogie und Filmreihe wird nach diesem Ausflug in die Vergangenheit von Pearl dann mit „MaXXXine“ ihr Ende finden und sich in die 80er katapultieren. Hier bin ich mal gespannt, wohin die gesamte Reise geht. Vielleicht ergibt sich hier noch als großes Ganzes eine starke Offenbarung, die die Filmreihe und Trilogie von einer sehr guten zu einer meisterhaften Filmreihe werden lässt.

„Pearl“ - My First Look – 9/10 Punkte.

Details
Ähnliche Filme